Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
55. Vortrag

2.

„Da“ also „Jesus wußte, seine Stunde sei gekommen, daß er zum Vater gehe, nachdem er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis zum Ende“; natürlich damit auch sie von dieser Welt, wo sie waren, zu ihrem bereits hinübergegangenen Haupte aus Liebe zu ihm hinübergingen. Denn was heißt: „bis zum Ende“, als bis zu Christus? „Denn das Ende des Gesetzes ist Christus“, sagt der Apostel, „zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“1. Das verklärende, nicht das verzehrende Ende2, das Ende, zu dem wir hinkommen, nicht wo wir umkommen sollen. So ist es gewiß zu verstehen: „Unser Pascha, Christus, ist geschlachtet [S. 791] worden“3. Er ist unser Ziel, zu ihm muß unser Übergang stattfinden. Denn ich sehe, man kann diese evangelischen Worte in einem gewissen menschlichen Sinne auch so verstehen, als ob Christus bis zum Tode die Seinigen geliebt habe, so daß dies der Sinn der Worte sein möchte: „Er liebte sie bis zum Ende“. Dies ist eine menschliche Auffassung, keine göttliche; denn nicht hat uns bis dahin der geliebt, der uns immer und ohne Ende liebt. Es sei ferne, daß der seine Liebe mit dem Tode beendete, der im Tode kein Ende nahm. Auch nach dem Tode hat jener stolze und gottlose Reiche seine fünf Brüder geliebt4, und von Christus sollen wir glauben, er habe uns nur bis zum Tode geliebt? Das sei ferne, Geliebteste! Keineswegs würde er aus Liebe zu uns bis in den Tod gehen, wenn er seine Liebe zu uns mit dem Tode beendete. Es müßten etwa seine Worte: „Er liebte sie bis zum Ende“, nur so zu verstehen sein: Er liebte sie so sehr, daß er ihretwegen starb. Denn dies bezeugte er, da er sprach: „Eine größere Liebe als diese hat niemand, als daß er sein Leben läßt für seine Freunde“5. Wir haben fürwahr nichts dagegen, wenn die Worte: „Er liebte sie bis zum Ende“, so verstanden werden, nämlich daß ihn die Liebe bis in den Tod geführt hat.

1: Röm. 10, 4.
2: Finis perficiens, non interficiens.
3: 1 Kor. 5, 7.
4: Luk. 16, 27 f.
5: Joh. 15, 13.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 47. Vortrag
. 48. Vortrag
. 49. Vortrag
. 50. Vortrag
. 51. Vortrag
. 52. Vortrag
. 53. Vortrag
. 54. Vortrag
. 55. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. 56. Vortrag
. 57. Vortrag
. 58. Vortrag
. 59. Vortrag
. 60. Vortrag
. 61. Vortrag
. 62. Vortrag
. 63. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger