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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
55. Vortrag

1.

Das Abendmahl des Herrn nach Johannes ist mit seiner Hilfe in gebührenden Vorträgen zu erklären und, soweit er uns das Vermögen dazu gibt, darzulegen. „Vor dem Osterfeste, da Jesus wußte, seine Stunde sei gekommen, daß er aus dieser Welt zum Vater gehe, nachdem er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende.“ Pascha (Ostern), Brüder, ist nicht, wie einige meinen, ein griechisches Wort, sondern ein hebräisches; sehr gelegen jedoch findet sich bei diesem Worte eine Übereinstimmung beider Sprachen. Weil nämlich pati (leiden) griechisch πάσχειν [paschein] heißt, darum hat man Pascha im Sinne von passio (Leiden) genommen, als ob das Wort von passio abzuleiten wäre; in seiner Sprache aber, d. h. in der hebräischen, heißt Pascha transitus (Übergang); deshalb feierte das Volk Gottes damals zum ersten Mal Pascha, als sie, aus Ägypten fliehend, über das Rote Meer gingen1. Jetzt also ist das prophetische Vorbild in Erfüllung gegangen, da Christus wie ein Schaf zur Schlachtung geführt wird2, durch dessen Blut wir, wenn unsere Türpfosten damit besprengt, d. h. unsere Stirnen mit seinem Kreuzeszeichen bezeichnet sind, von dem Verderben dieser Welt wie von der ägyptischen Knechtschaft oder Hinmetzelung befreit werden3 und den heilsamen Übergang vollziehen, indem wir vom Teufel zu Christus und von dieser unbeständigen Welt [S. 790] zu seinem unvergänglichen Reiche übergehen. Darum nämlich gehen wir zu dem ewig bleibenden Gott über, damit wir nicht mit der vergänglichen Welt vergehen. Für diese uns verliehene Gnade Gott preisend, sagt der Apostel: „Der uns aus der Macht der Finsternis entrissen und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt hat“4. Indem also der Evangelist diesen Namen, d. i. Pascha, was, wie gesagt, lateinisch transitus (Übergang) heißt, uns gleichsam verdolmetscht, sagt er: „Vor dem Osterfeste, da Jesus wußte, seine Stunde sei gekommen, daß er aus dieser Welt zum Vater gehe“. Siehe das Pascha, siehe den Übergang. Von wo und wohin? Selbstverständlich „von dieser Welt zum Vater“. In dem Haupte ist den Gliedern die Hoffnung gegeben worden, daß sie ihm in seinem Übergang nachfolgen werden. Wie steht es nun mit den Ungläubigen und den von diesem Haupte und seinem Leibe Getrennten? Gehen nicht auch sie über, weil sie ja doch nicht bleiben? Freilich gehen auch sie über, allein etwas anderes ist es, von der Welt übergehen, etwas anderes mit der Welt übergehen; etwas anderes zum Vater, etwas anderes zum Feinde übergehen. Denn auch die Ägypter sind übergegangen, sie sind jedoch nicht durch das Meer zum Reiche, sondern in dem Meere zum Untergang übergegangen.

1: Exod. 14, 29.
2: Is. 53, 7.
3: Exod. 12, 23.
4: Kol. 1, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger