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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
53. Vortrag

4.

Hier entsteht eine andere Frage, von der ich zwar glaube, daß weder meine Kräfte noch die Beschränktheit der Zeit noch euer Fassungsvermögen hinreiche, um sie entsprechend zu behandeln und all ihre verborgenen Winkel nach Gebühr zu erforschen und zu untersuchen. Doch weil wir infolge eurer Erwartung nicht auf andere Dinge übergehen dürfen, ohne etwas zu sagen, so vernehmet, soviel wir vermögen, und wo wir eure Erwartung nicht erfüllen, da begehret von dem das Wachstum, der uns gesetzt hat, zu pflanzen und zu begießen; denn wie der Apostel sagt: „Weder der pflanzt ist etwas, noch der begießt, sondern der das Wachstum gibt, Gott“1. Manche also murmeln untereinander und wo sie können, lassen sie sich laut vernehmen und rechten in leidenschaftlichem Wortstreit, indem sie sagen: Was haben die Juden getan oder welches war ihre Schuld, wenn es notwendig war, „daß das Wort des Propheten Isaias sich erfüllte, das er sprach: Herr, wer glaubt unserer Predigt, und wem ward der Arm des Herrn offenbar?“ Diesen antworten wir, der Herr, der die Zukunft vorauswußte, habe durch den Propheten den Unglauben der Juden vorhergesagt, vorhergesagt, nicht bewirkt. Denn Gott zwingt deshalb niemand zum Sündigen, weil er die zukünftigen Sünden der Menschen schon weiß. Denn ihre Sünden hat er vorhergewußt, nicht die seinigen, nicht die irgendeines andern, sondern die ihrigen. Wenn darum die [S. 771] Sünden, die er als die ihrigen vorherwußte, nicht die ihrigen sind, dann hat er sie in Wahrheit nicht vorhergewußt, allein weil sein Vorherwissen sich nicht täuschen kann, so sündigt ohne Zweifel nicht ein anderer, sondern eben die, die Gott als Sünder vorausgewußt hat. Die Juden haben also eine Sünde getan, zu deren Begehung sie derjenige nicht nötigte, dem die Sünde mißfällt, sondern der hat vorausgesagt, sie würden die Sünde tun, dem nichts verborgen ist. Und darum würden sie, wenn sie nicht Böses, sondern Gutes hätten tun wollen, daran nicht gehindert werden; und auch dieses ihr Tun würde von dem vorausgesehen werden, der weiß, was jeder tun wird und was er jedem für sein Werk vergelten wird.

1: 1 Kor. 3, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger