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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
53. Vortrag

3.

Wenn wir also hören, der Arm Gottes des Vaters sei der Sohn Gottes, so störe uns nicht die fleischliche Gewohnheit, sondern wir wollen dabei, so gut wir mit seiner Hilfe es vermögen, an die Kraft und Weisheit Gottes denken, durch die alles geworden ist. Dieser Arm wird nämlich weder durch Ausstreckung länger noch durch Zusammenziehung kürzer1. Denn er ist zwar nicht derselbe wie der Vater, aber er und der Vater sind eins, und weil gleich mit dem Vater, ist er überall ganz zugegen wie der Vater, damit nicht Anlaß gegeben werde zu dem verabscheuungswürdigen Irrtum derer2, welche behaupten, es existiere nur der Vater, aber nach der Verschiedenheit der Wirkungsweisen heiße er Sohn, heiße er Heiliger Geist, und damit sie bei diesen Worten nicht zu sagen wagen: Nun da seht ihr, daß der Vater allein ist, wenn sein Arm der Sohn ist; denn nicht zwei, sondern eine Person ist der Mensch und sein Arm. Dabei verstehen oder beachten sie nicht, wie Ausdrücke von den einen Dingen auf andere übertragen werden wegen einer gewissen Ähnlichkeit, und zwar auch in den täglichen Gesprächen über sichtbare und ganz bekannte Dinge; um wieviel mehr zu dem Zwecke, damit uns unaussprechliche Dinge, welche nach ihrem eigentlichen Wesen überhaupt nicht ausgedrückt werden können, wenigstens irgendwie gesagt werden? Denn auch ein Mensch nennt einen andern [S. 770] Menschen, durch den er zu tun pflegt, was immer er tut, seinen Arm, und wenn er ihm genommen wird, sagt er bedauernd: Ich habe meinen Arm verloren, und zu demjenigen, der ihn genommen hat, sagt er: Du hast mir meinen Arm genommen. Sie mögen also erkennen, in welchem Sinne der Sohn der „Arm des Vaters“ heißt, durch den der Vater alles gewirkt hat, damit sie nicht durch mangelndes Verständnis und Verharren in der Finsternis ihres Irrtums eben den Juden ähnlich seien, von welchen es heißt: „Und der Arm des Herrn, wem ist er offenbar?“

1: Nec porrectum extenditur, nec collectum contrahitur.
2: Die Sabellianer.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger