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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
50. Vortrag

10.

Höret da, daß dieser Judas nicht erst dann schlecht wurde, als er, von den Juden bestochen, den Herrn verriet. Denn sehr viele, die das Evangelium nicht kennen, sind der Meinung, Judas sei erst dann verloren gegangen, als er von den Juden Geld erhielt, um den Herrn zu verraten. Nicht da erst ist er verloren gegangen, er war schon ein Dieb und folgte dem Herrn als ein Verworfener nach, da er nicht mit dem Herzen, sondern nur körperlich nachfolgte. Die Zwölfzahl der Apostel machte er voll, die Seligpreisung der Apostel erfüllte sich an ihm nicht, er war nur der Maske nach der Zwölfte, und bei seinem Ausscheiden und dem Eintritt eines andern wurde der apostolische Organismus ergänzt und die Vollständigkeit der Zahl blieb erhalten. Was also, meine Brüder, wollte unser [S. 742] [im Druck S. 542] Herr Jesus Christus seine Kirche lehren, indem er einen Bösewicht unter den Zwölfen zuließ, als daß wir die Schlechten ertragen und den Leib Christi nicht zerteilen sollen? Siehe, unter Heiligen ist ein Judas, siehe, Judas ist ein Dieb und, damit du es nicht unterschätzest, sogar ein gottesschänderischer Dieb, nicht ein gewöhnlicher Dieb, ein Dieb von Geldern, aber von Geldern des Herrn, von Geldern, aber von heiligen. Wenn bei Gericht ein Unterschied gemacht wird zwischen den Verbrechen des gewöhnlichen Diebstahls und des Staatsdiebstahls (die Veruntreuung öffentlicher Gelder heißt nämlich Staatsdiebstahl) und der Diebstahl an Privateigentum nicht so beurteilt wird wie an Staatseigentum, um wieviel strenger muß ein sakrilegischer Dieb beurteilt werden, der es gewagt hat, nicht an einem beliebigen Orte etwas zu nehmen, sondern in der Kirche etwas zu stehlen? Wer in der Kirche etwas stiehlt, der ist dem verworfenen Judas zu vergleichen. Von dieser Art war Judas, und doch ging er mit den heiligen elf Aposteln ein und aus. Sogar zum Abendmahle des Herrn trat er gleichfalls hinzu; er konnte mit ihnen verkehren, sie beflecken konnte er nicht. Von einem Brote nahm Petrus und Judas, und doch „welchen Anteil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen?“1 Petrus nämlich nahm es zum Leben, Judas zum Tode. Denn wie es sich mit jenem guten Geruche verhält, so mit dieser guten Speise. Wie demnach der gute Geruch, so belebt auch die gute Speise die Guten, tötet die Bösen. „Denn wer unwürdig ißt, ißt und trinkt sich selbst das Gericht“2; „sich selbst das Gericht“, nicht dir. Wenn er sich selbst das Gericht ißt und trinkt, nicht dir, so ertrage als Guter den Bösen, damit du zur Belohnung der Guten kommest, nicht zur Strafe der Bösen verstoßen wirst.

1: 2 Kor. 6, 15.
2: 1 Kor. 11, 29.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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