Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 48. Vortrag
1. Was wir eurer Liebe schon eindringlich gesagt haben, müßt ihr dauernd im Gedächtnis behalten, daß nämlich der heilige Evangelist Johannes nicht wolle, daß wir immer nur mit Milch uns nähren, sondern feste Speisen genießen sollen. Wer immer jedoch zur Entgegennahme der festen Speise des göttlichen Wortes noch weniger geeignet ist, der lasse sich durch die Milch des Glaubens nähren und zögere nicht zu glauben, was er nicht verstehen kann. Denn der Glaube ist ein Verdienst, das Verständnis der Lohn. Gerade bei der Arbeit angestrengten Denkens schwitzt der Scharfsinn unseres Geistes, um die Flecken menschlichen Nebels abzustreifen und sich zu klären für das Wort Gottes. Man lehne also die Mühe nicht ab, wenn Lust und Liebe vorhanden ist; ihr wißt ja, daß, wer liebt, keine Mühe empfindet. Denn alle Mühe ist nur denjenigen beschwerlich, denen es an Lust und Liebe gebricht. Wenn bei den Geizigen die Habsucht so viele Mühen auf sich nimmt, sollte dann bei uns die Liebe sie nicht auf sich nehmen?
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