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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
47. Vortrag

3.

Was er sodann sagt: „Wie mich der Vater erkennt, und ich den Vater erkenne“, wer weiß das nicht? Er nämlich erkennt den Vater durch sich, wir durch ihn. Daß er ihn durch sich erkennt, wissen wir; daß auch wir durch ihn, auch das wissen wir, weil wir auch dies durch ihn wissen. Denn er hat gesagt: „Gott hat niemand gesehen als der eingeborene Sohn, der im Schoße des Vaters ist; der hat ihn verkündigt“1. Also auch wir [S. 687] durch ihn, denen er ihn verkündigt hat. Desgleichen sagt er anderswo: „Niemand kennt den Sohn außer der Vater, und niemand kennt den Vater außer der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will“2. Wie also er durch sich den Vater kennt, wir aber durch ihn den Vater kennen, so geht er in den Schafstall durch sich selbst ein, und wir durch ihn. Wir haben gesagt, daß wir durch Christus eine Türe zu euch haben; warum? Weil wir Christus predigen. Wir predigen Christus, und darum treten wir durch die Türe ein. Christus aber predigt Christus, weil er sich selbst predigt, und darum geht der Hirt durch sich selbst ein. Wenn das Licht anderes zeigt, was man im Lichte sieht, bedarf es dann etwa eines anderen, damit es gesehen werden kann? Das Licht zeigt also sowohl anderes wie sich selbst. Alles, was wir erkennen, erkennen wir durch den Verstand, und den Verstand selbst, wodurch erkennen wir ihn als eben durch den Verstand? Siehst du etwa ebenso mit dem fleischlichen Auge sowohl anderes als es selbst? Denn obwohl die Menschen mit ihren Augen sehen, so sehen sie doch nicht ihre eigenen Augen. Das fleischliche Auge sieht anderes, sich selbst sieht es nicht; der Verstand aber erkennt sowohl anderes wie sich selbst. Wie der Verstand sich selbst sieht, so predigt auch Christus sich selbst. Wenn er sich predigt und dadurch, daß er predigt, zu dir eingeht, so geht er durch sich zu dir ein. Auch zum Vater ist er die Türe, weil es keinen anderen Weg gibt, durch den man zum Vater kommt, als ihn selbst. Denn „ein Gott ist und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“3. Durch das Wort wird vieles gesagt; gerade das, was ich gesagt habe, habe ich ja durch das Wort gesagt. Wenn ich auch das „Wort“ selbst aussprechen möchte, wodurch soll ich es aussprechen als eben durch das Wort? Und somit wird durch das Wort sowohl anderes gesagt, was nicht das ist, was das Wort ist, als auch kann das Wort selbst nicht ausgesprochen werden als wieder durch das Wort. Mit Hilfe des Herrn [S. 688] hat es uns nicht an Beispielen gefehlt. Behaltet also, wie der Herr Jesus Christus sowohl Türe wie Hirt ist: Türe dadurch, daß er sich auftut, Hirte dadurch, daß er durch sich eintritt. Und zwar, Brüder, daß er Hirt ist, das gab er auch seinen Gliedern; denn auch Petrus ist ein Hirt, auch Paulus ist ein Hirt, auch die übrigen Apostel sind Hirten, auch die guten Bischöfe sind Hirten. Türe aber nennt sich keiner von uns; dies hat er sich selbst als eigen vorbehalten, daß die Schafe nur durch ihn eingehen. Um es kurz zu sagen, Paulus erfüllte das Amt eines guten Hirten, da er Christus predigte, weil er durch die Türe einging. Allein als die zuchtlosen Schafe anfingen, Spaltungen hervorzurufen und andere Türen sich zu setzen, nicht um durch sie einzutreten zur Vereinigung, sondern um abzuirren zur Zerstreuung, indem die einen sagten: „Ich bin des Paulus“, andere: „Ich des Kephas“, andere: „Ich des Apollo“, andere: „Ich Christi“, da erschrak er vor denen, welche sagten: „Ich bin des Paulus“, und den Schafen gleichsam zurufend: Ihr Unglückseligen, wohin geht ihr? sprach er: Ich bin nicht die Türe: „Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden? Oder seid ihr im Namen des Paulus getauft worden?“4. Die aber sagten: „Ich bin Christi“, haben die Türe gefunden.

1: Joh. 1, 18.
2: Matth. 11, 27.
3: 1 Tim. 2, 15.
4: 1 Kor. 1, 12 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger