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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
47. Vortrag

2.

Ohne Zögern sage ich es also. Indem ich zu euch einzugehen suche d. h. zu euren Herzen, predige ich Christus; wenn ich etwas anderes predige, werde ich von einer andern Seite einzusteigen versuchen. Christus ist also für mich die Türe zu euch; durch Christus gehe ich ein, nicht in eure Wohnungen, sondern in eure Herzen. Durch Christus gehe ich ein, Christus habt ihr gern in mir gehört. Warum habt ihr Christus gern in mir gehört? Weil ihr Schafe Christi seid, weil ihr durch das Blut Christi erkauft seid. Ihr erkennet euren Lösepreis, der nicht von mir gegeben, sondern nur durch mich gepredigt wird. Der nämlich hat euch erkauft, der sein kostbares Blut vergoß; kostbar ist sein Blut, ohne Sünde. Er hat jedoch auch das Blut der Seinigen kostbar gemacht, für die er den Preis seines Blutes gab; denn würde er das Blut der Seinigen nicht kostbar machen, so würde es nicht heißen: „Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen“1. Wenn er daher sagt: „Ein guter Hirt gibt sein Leben für seine Schafe“, so hat er dies nicht allein getan, und doch, wenn jene, die es taten, seine Glieder sind, so hat auch dies nur er getan. Denn er konnte es ohne sie tun; wie konnten sie es tun ohne ihn, da er selbst sagte: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“?2 Daraus aber zeigen wir, daß auch andere dies getan, weil gerade der Apostel Johannes, der das von euch vernommene Evangelium verkündete, in seinem Briefe sagte: „Wie Christus sein Leben für uns hingegeben hat, so müssen auch wir das Leben für die Brüder dahingeben“3. Wir „müssen“, sagt er; der hat uns die Pflicht auferlegt, der sie zuerst erfüllte. Darum heißt es irgendwo: „Wenn du zum Mahle sitzest am Tische eines Mächtigen, so gib [S. 686] sorgfältig acht, was dir vorgesetzt wird, und lege deine Hand an, wissend, daß du solches vorbereiten mußt“4. Welches der Tisch des Mächtigen ist, wißt ihr; daselbst ist der Leib und das Blut Christi; wer zu diesem Tische geht, bereite solches vor. Und was heißt: er bereite solches vor? „Wie er selbst für uns sein Leben dahingegeben hat, so müssen auch wir“ [zur Erbauung des Volkes und zur Verteidigung des Glaubens]5 „das Leben für die Brüder dahingeben.“ Daher sprach er zu Petrus, den er zu einem guten Hirten machen wollte, nicht in Petrus selbst, sondern in seinem Leibe: „Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe“. Dies sagte er einmal, zweimal, dreimal, bis derselbe traurig wurde. Und nachdem der Herr so oft gefragt hatte, als er zu fragen für notwendig erachtete, damit der dreimal ein Bekenntnis ablegen sollte, der ihn dreimal verleugnete, und ihm dann zum dritten Mal seine Schafe zu weiden aufgetragen hatte, sprach er zu ihm: „Als du jung warest, gürtetest du dich und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich dorthin führen, wohin du nicht willst“. Und der Evangelist erklärte, was der Herr damit meinte: „Dies aber“, sagt er, „sprach er, um anzudeuten, durch welche Todesart er Gott verherrlichen werde“6. Dies also ist der Sinn des Wortes: „Weide meine Schafe“, daß du dein Leben gibst für meine Schafe.

1: Ps. 115, 15 [= Vulg.; Sept. Ps. 115, 5/6; hebr. Ps. 116, 15].
2: Joh. 15, 5.
3: 1 Joh. 3, 16.
4: Spr. 23, 1 f., nach LXX.
5: Das Eingeklammerte fehlt in den meisten Handschriften.
6: Joh. 21, 15―19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger