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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
47. Vortrag

13.

Niemand werde also unruhig, wenn er hört, der Herr habe gesagt: „Ich gebe meine Seele hin und nehme sie wieder“. Das Fleisch1 gibt sie hin, aber in der Kraft des Wortes; das Fleisch nimmt sie wieder, aber in der Kraft des Wortes. Christus der Herr selbst heißt auch das bloße Fleisch. Wie, sagt einer, beweisest du das? Ich wage zu sagen, auch das bloße Fleisch Christi heißt Christus. Wir glauben gewiß nicht bloß an Gott den Vater, sondern auch an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn. Eben habe ich das Ganze genannt: An Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn. An das Ganze denke dabei: an das Wort, die Seele und das Fleisch. Aber gewiß bekennst du auch das, was derselbe Glaube enthält, daß du nämlich glaubst an Christus, der gekreuzigt und begraben wurde. Also auch von dem Begrabenen leugnest du nicht, daß er Christus ist, und doch ist bloß das Fleisch begraben worden. Denn wenn dort auch die Seele war, dann war er nicht tot; wenn es aber ein wahrer Tod war, damit seine Auferstehung eine wahre sei, dann war er ohne die Seele im Grabe, und doch ist Christus begraben worden. Also war das Fleisch auch ohne die Seele Christus, da ja nur das Fleisch begraben wurde. Das magst du auch aus den Worten des Apostels ersehen: „Seid gesinnt“, sagt er, „wie Jesus Christus, der, da er in der Gestalt Gottes war, es für keinen Raub hielt, Gott gleich zu sein“. Wer außer Christus Jesus, [S. 699] sofern er das Wort ist, ist Gott bei Gott? Siehe jedoch, was folgt: „Aber er erniedrigte sich selbst, indem er Knechtsgestalt annahm; er wurde den Menschen ähnlich und in seinem Äußern wie ein Mensch erfunden“. Und von wem gilt dies als eben von demselben Christus Jesus? Aber hier ist alles beieinander: das Wort in der Gestalt Gottes, welche die Knechtsgestalt annahm, ferner Seele und Fleisch in der Knechtsgestalt, welche von der Gestalt Gottes angenommen wurde. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode“2. Nun ist aber im Tode bloß das Fleisch von den Juden getötet worden. Denn wenn er zu den Jüngern sagte: „Fürchtet nicht diejenigen, welche den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“3, konnten sie etwa bei ihm mehr als den Leib töten? Und doch ist, indem das Fleisch getötet wurde, Christus getötet worden. So hat, als das Fleisch die Seele hingab, Christus die Seele hingegeben, und als das Fleisch, um auferstehen zu können, die Seele wieder annahm, Christus die Seele angenommen. Jedoch ist dies nicht durch die Kraft des Fleisches geschehene, sondern durch die Kraft dessen, der Seele und Leib, in welchem dies sich erfüllen sollte, angenommen hat.

1: Das heißt der Mensch Christus, wie denn „Fleisch“ schon in der Heiligen Schrift öfters den ganzen Menschen bezeichnet, z. B. Joh. 1, 14: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“
2: Phil. 2, 5―8.
3: Matth. 10, 28.

 

 

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