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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
47. Vortrag

12.

Wenn also das Fleisch die Seele hingab, wie hat Christus die Seele hingegeben? Ist denn Christus nicht Fleisch? Ja gewiß, Fleisch ist Christus und Seele ist Christus und Wort ist Christus, und doch sind diese drei nicht drei Christus, sondern ein Christus. Befrage den Menschen und von dir selbst erhebe dich zu dem, was über dir ist, wenn auch noch nicht, um es zu verstehen, so doch wenigstens um es zu glauben. Denn wie Seele und Leib ein Mensch ist, so ist Wort und Mensch ein Christus. Sehet zu, was ich gesagt habe, und versteht es! Seele und Leib sind zwei Dinge, aber ein Mensch, Wort und Mensch sind zwei Dinge, aber ein Christus. Also um den Menschen frage. Wo ist jetzt der Apostel Paulus? Wenn einer antwortet: In der Ruhe bei Christus, so sagt er die Wahrheit. Desgleichen wenn einer antwortet: Zu Rom im Grabe, so sagt auch er die Wahrheit. Die eine Antwort gibt er mir betreffs der Seele, die andere betreffs des Fleisches. Und doch meinen wir deshalb nicht zwei Apostel Paulus, wovon der eine in Christus ruht, der andere im Grabe liegt, obwohl wir vom Apostel Paulus sagen, er lebe in Christus, und von demselben Apostel Paulus auch wieder sagen, er liege tot im Grabe1. Es stirbt jemand; wir sagen: Ein guter Mensch, ein gläubiger Mensch, er ist [S. 698] im Frieden bei Christus, und gleich darauf: Wir wollen zu seinem Leichenbegängnis gehen und ihn begraben. Du willst den begraben, von dem du gesagt hattest, er sei bereits im Frieden bei Gott, da ja etwas anderes die Seele ist, welche unsterblich fortlebt, etwas anderes der Leib, der verweslich daliegt. Allein seitdem die Verbindung von Fleisch und Seele den Namen Mensch bekam, behielt nun jedes von beiden auch einzeln und abgesondert den Namen Mensch.

1: Mit Recht bemerkt Hurter (II. 109), daß die von Augustin angezogene Analogie zwischen Christus und Paulus keine vollständige ist. Denn die Person des Sohnes blieb auch zur Zeit des Todes mit der Seele und dem Leibe vereinigt, so daß von der Person Christi oder von Christus im eigentlichen Sinne alles ausgesagt werden kann, was ihm, sei es nach der Gottheit, sei es nach der Menschheit (nach Seele und Leib) zukommt. Hingegen besteht die menschliche Person oder der Mensch nach dem Tode nicht mehr fort, so daß weder die Seele Pauli im Himmel noch der Leib Pauli im Grabe im wahren und vollen Sinne als Person Pauli bezeichnet werden kann; nur synekdochisch (pars pro toto) kann der Seele Pauli im Himmel und dem Leibe Pauli im Grabe der Name Paulus gegeben werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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