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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
44. Vortrag

9.

"Sie führten den, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig machte und seine Augen öffnete. Abermals also fragten ihn die Pharisäer, wie er sehend geworden sei. Jener aber sagte zu ihnen: "Er legte mir einen Teig auf die Augen, und ich wusch mich und sah. Da sagten einige aus den Pharisäern" nicht alle, sondern einige, denn bereits waren einige gesalbt. Was also sagten die weder Sehenden noch Gesalbten? "Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält." Richtiger gesagt, hielt gerade er den Sabbat, der da ohne Sünde war. Denn der geistige Sabbat ist dies: keine Sünde zu haben. Um es kurz zu sagen, Brüder, daran erinnert Gott da er den Sabbat einschärft: "Ihr sollt kein knechtlisches Werk tun"1 . Das sind die Worte des den Sabbat einschärfenden Gottes: "Ihr sollt kein knechtliches Werk tun". Befraget nur die früheren Lesungen, was ein knechtliches Werk sei, und höret den Herrn: "Jeder der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde"2 . Aber diese, die, wie ich gesagt, weder sahen noch gesalbt waren, beobachteten den Sabbat fleischlich, verletzten ihn aber geistig. "Die einen sagten: Wie kann ein sündhafter Mensch diese Zeichen tun?" Siehe, sie sind gesalbt. "Und es war eine Spaltung unter ihnen." Jener Tag hatte Licht und Finsternis voneinander geschieden. "Sie sagten also abermals zu dem Blinden: Was sagst du von dem, der deine Augen geöffnet hat?" Was hältst du von ihm? Was meinst du? Was urteilst du? Sie suchten danach, wie sie dem Menschen einen Strick drehen könnten, damit er aus der Synagoge ausgestoßen, aber von Christus gefunden würde. Allein jener blieb fest bei seiner Meinung. Er sprach nämlich: "Ein Prophet ist er". Vorläufig war gesalbt im Herzen, bekennt er noch nicht den Sohn Gottes und spricht doch nicht die Unwahrheit. Denn der Herr selbst sagt von sich: "Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seinem Vaterlande"3

1: Lv 23,8
2: Joh 8,34
3: Mt 13,5-7

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger