Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 43. Vortrag
9. Auch hinsichtlich des Wortes selbst soll diese Frage gelöst werden. Du findest im Evangelium ein Strafgericht erwähnt: "Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet"Joh 3,18 , und an einer andern Stelle: "Es wird die Stunde kommen, da diejenigen, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes"Joh 5,28 f. . Sehet, wie er Gericht für Verdammung und Strafe gesetzt hat! Und doch, wenn Gericht immer für Verdammung genommen würde, würden wir dann wohl in den Psalmen hören: "Richte mich, o Gott"? Dort steht "Gericht" im Sinne von Bedrängnis, hier im Sinne von Ausscheidung. Wie im Sinne von Ausscheidung? So wie es der selbst erklärt, der sagt: "Richte mich, o Gott". Denn lies weiter und siehe, was folgt. Was heißt: "Richte mich, o Gott"? "Scheide meine Sache", sagt er, "von dem unheiligen Volke"Ps 42,1 . Wie es also heißt: "Richte mich, o Gott, und scheide meine Sache von dem unheiligen Volke", in diesem Sinne sagt jetzt Christus der Herr; "Ich suche nicht meine Ehre; es ist einer, der sie sucht und richtet". Wie "ist einer, der sie sucht und richtet"? Es ist der Vater, der meine Ehre von eurer Ehre ausscheidet und trennt. Denn ihr suchet Ehre im Sinne dieser Welt, ich suche keine Ehre im Sinne dieser Welt, der ich zum Vater sage: "Vater, verherrliche mich mit jener Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war"Joh 17,8 . Was heißt: "mit jener Herrlichkeit"? Mit einer Herrlichkeit, die fern ist von menschlicher Aufgeblasenheit. In diesem Sinne richtet der Vater. Was heißt: er richtet? Er scheidet aus. Was scheidet er aus? Die Ehre seines Sohnes von der Ehre der Menschen, denn es heißt deshalb: "Es hat Dich, o Gott, Dein Gott gesalbt mit dem Öle der Freude vor Deinen Genossen"Ps 44,5 . Denn nicht ist er, weil er Mensch geworden, sofort mit uns zu vergleichen. Wir sind mit Sünde behaftete Menschen, er ist ohne Sünde; wir sind Menschen, die von Adam Tod und Sünde erben; er nahm von der Jungfrau sterbliches Fleisch an, aber keine Sünde. Ferner, wir sind weder, weil wir wollen, geboren, noch auch leben wir, solange wir wollen; er hat vor seiner Geburt diejenige ausgewählt, von der er geboren werden sollte, nach seiner Geburt bewirkte er, daß er von den Magiern angebetet wurde, wuchs als Kind und erwies sich durch Wunder als Gott und stellte in Schwachheit den Menschen heraus. Zuletzt hat er auch die Art des Todes erwählt, nämlich daß er am Kreuze hing und eben dieses Kreuz auf die Stirne der Gläubigen heftete, so daß der Christ spricht: "Mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, es sei denn im Kreuze unseres Herrn Jesu Christi"Gal 6,14 . Am Kreuze selbst verließ er, wann er wollte, den Leib und starb; im Grabe lag er, solange er wollte; wann er wollte, stand er wie vom Ruhelager auf. Also, Brüder, selbst nach der Knechtsgestaltdenn wer redet nach Gebühr darüber: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort"?, selbst nach der Knechtsgestalt, sage ich, ist ein großer Unterschied zwischen der Ehre Christi und der Ehre der übrigen Menschen. Von eben dieser Ehre sprach er, als er hörte, er habe einen Teufel: "Ich suche nicht meine Ehre; es ist einer, der sie sucht und richtet".
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