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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
40. Vortrag

10.

Was soll ich zu eurer Liebe sagen? O wenn das Herz nur einigermaßen nach jener unaussprechlichen Herrlichkeit sich sehnen würde! O wenn wir doch unsere Pilgerschaft mit Seufzen empfinden und die Welt nicht lieben und bei dem, der uns berufen hat, stets in frommer Gesinnung anklopfen würden! Die Sehnsucht ist der Busen des Herzens; wir werden darin umsomehr aufnehmen, je mehr wir die Sehnsucht nach unsern Kräften ausdehnen. Dies sucht an uns zu erreichen die göttliche Schrift, dies die Versammlung des Volkes, dies die Feier der Geheimnisse, dies die heilige Taufe, dies der Lobgesang Gottes, dies auch unsere Rede, daß diese Sehnsucht nicht bloß gesät wird und sproßt, sondern auch bis zu dem Grade an Umfang zunimmt, daß sie imstande sei, in sich zu fassen, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist. Aber liebet mit mir! Der liebt das Geld nicht so sehr, der Gott liebt. Auch ich habe der Schwäche nachgegeben, ich habe nicht gewagt zu sagen: Der liebt das Geld gar nicht, sondern: Der liebt das Geld nicht so sehr, als ob man das Geld lieben dürfte, aber nicht so sehr. O daß wir Gott geziemend lieben möchten, dann werden wir das Geld durchaus nicht lieben. Das Geld wird dir dann ein Hilfsmittel in der Pilgerschaft sein, nicht ein Reizmittel der Begierlichkeit; du magst es benützen zum Lebensunterhalt, aber nicht anwenden zur Befriedigung der Genußsucht. Liebe Gott, wenn er etwas an dir getan hat, was du hörst und lobst. Gebrauche die Welt, laß dich aber von der Welt nicht gefangen nehmen. Da wo du eingetreten bist, machst du nur eine Reise, du bist gekommen, um wieder Abschied zu nehmen, nicht um dazubleiben; eine Reise machst du, [S. 602] eine Herberge ist dieses Leben. Bediene dich des Geldes, wie ein Reisender in der Herberge des Tisches, des Bechers, des Kruges, des Bettes sich bedient, nämlich als ein solcher, der dies wieder verläßt, nicht dort bleibt. Wenn ihr von solcher Gesinnung seid ― erhebet das Herz, die ihr könnet, und höret mich ―, wenn ihr von solcher Gesinnung seid, so werdet ihr zu seinen Verheißungen kommen. Denn es ist nicht viel für euch, da groß die Hand dessen ist, der euch berufen hat. Er hat euch berufen, er möge angerufen werden; laßt uns zu ihm sagen: Du hast uns berufen, wir rufen Dich an; siehe, wir hörten Deine Berufung, höre unsere Anrufung; führe uns dorthin, wohin Du uns zu führen verheißen hast; vollende, was Du angefangen hast; verlaß Deine Gaben nicht, verlaß Deinen Acker nicht, möchten Deine Sprößlinge in die Scheune eintreten. Zahlreich sind die Versuchungen in der Welt, aber größer ist derjenige, der die Welt gemacht hat. Zahlreich sind die Versuchungen, aber keiner ist verlassen, der auf denjenigen seine Hoffnung setzt, in dem keine Ohnmacht ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger