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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
39. Vortrag

7.

„Vieles“, sagt er, „habe ich über euch zu reden und zu richten, aber der mich gesandt hat, ist wahrhaft“; als würde er sagen: Darum richte ich wahr, weil ich als [S. 588] der Sohn des Wahrhaftigen die Wahrheit bin. Der Vater wahrhaftig, der Sohn die Wahrheit, was glauben wir, ist noch mehr? Suchen wir denkend zu erforschen, wenn wir können, was mehr ist, der Wahrhaftige oder die Wahrheit? Erwägen wir es an einzelnen Beispielen. Ist der fromme Mensch mehr oder die Frömmigkeit? Doch mehr ist die Frömmigkeit selbst. Denn der Fromme ist von der Frömmigkeit, nicht die Frömmigkeit von dem Frommen. Es kann ja die Frömmigkeit sein, obwohl der, welcher fromm war, unfromm geworden ist. Er hat die Frömmigkeit verloren, der Frömmigkeit selbst hat er nichts entzogen. Wie steht es ferner mit dem Schönen und der Schönheit? Mehr ist die Schönheit als der Schöne; denn die Schönheit macht schön, nicht der Schöne macht die Schönheit. Keusch und Keuschheit? Die Keuschheit ist offenbar mehr als der Keusche. Denn wenn die Keuschheit nicht wäre, so hätte er nicht, wodurch er keusch wäre; wenn er aber nicht keusch sein will, die Keuschheit dauert unversehrt fort. Wenn also die Frömmigkeit mehr ist als der Fromme, die Schönheit mehr als der Schöne, die Keuschheit mehr als der Keusche, werden wir dann etwa sagen, die Wahrheit sei mehr als der Wahrhaftige? Wenn wir das sagen, so nennen wir ja gar den Sohn größer als den Vater. Denn der Herr sagt ganz deutlich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“1. Also wenn der Sohn die Wahrheit ist, was ist dann der Vater, als was die Wahrheit selbst sagt: „Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig“? Der Sohn die Wahrheit, der Vater wahrhaftig; was mehr sei, suche ich, aber ich finde Gleichheit. Denn der wahrhaftige Vater ist nicht wahrhaftig durch jene Wahrheit, an der er teilnimmt, sondern die er ganz erzeugt hat2.

1: Joh. 14, 6.
2: D. h. durch Zeugung mitgeteilt hat.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger