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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
39. Vortrag

5.

Vernehmet etwas aus den heiligen Schriften, damit ihr das Gesagte irgendwie fassen möget. Nachdem unser Herr Jesus Christus auferstanden und in dem von ihm bestimmten Zeitpunkte in den Himmel aufgefahren war, sandte er nach Verlauf von zehn Tagen von dorther den Heiligen Geist. Von ihm erfüllt, fingen die in einem Saale Versammelten in den Sprachen aller Völker zu reden an. Durch das Wunder wurden die Mörder des Herrn erschreckt, im Innern betroffen [S. 586] empfanden sie Reueschmerz, Schmerz empfindend änderten sie sich, geändert wurden sie gläubig; es schlossen sich dem Leibe des Herrn d. i. der Zahl der Gläubigen dreitausend Menschen an. Desgleichen traten infolge eines andern Wunders noch fünftausend bei, und es entstand eine Volksschar und zwar nicht eine kleine. In dieser Volksschar wurden alle nach Empfang des Heiligen Geistes, der die geistige Liebe entzündete, durch eben diese Liebe und Glut des Geistes in Einheit verbunden, und sie fingen in diesem Einheitsbunde an, alles zu verkaufen, was sie hatten, und den Erlös zu den Füßen der Apostel niederzulegen, damit einem jeden nach seinem Bedürfnisse davon zugeteilt würde. Und von diesen sagt die Schrift: „Sie waren eine Seele und ein Herz in Gott“1. Gebt also acht, Brüder, und erkennet hieraus das Geheimnis der Trinität, wie wir nämlich sagen: der Vater ist, der Sohn ist, der Heilige Geist ist, und wie doch nur ein Gott ist. Siehe, jene waren so viele Tausende, und es war ein Herz; siehe, es waren so viele Tausende, und es war eine Seele. Aber wo? In Gott. Um wieviel mehr Gott selbst! Irre ich etwa im Worte, wenn ich zwei Menschen zwei Seelen nenne, oder drei Menschen drei Seelen, oder viele Menschen viele Seelen? Gewiß, ich sage mit Recht so. Sie sollen nur zu Gott hinzutreten, und alle haben nur eine Seele. Wenn viele Seelen, indem sie zu Gott hinzutreten, durch die Liebe eine Seele sind und viele Herzen ein Herz, was tut dann die Quelle der Liebe selbst im Vater und Sohne? Ist dort nicht umsomehr die Trinität ein Gott? Denn von dorther kommt uns die Liebe, vom Heiligen Geiste selbst: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsern Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“2. Wenn also die Ausgießung der Liebe in unsern Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, aus vielen Seelen eine Seele macht und aus vielen Herzen ein Herz macht, um wieviel mehr sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ein Gott3, ein Licht und ein Anfang?

1: Apg. 4, 32.
2: Röm. 5, 5.
3: Streng genommen folgt aus dem angezogenen Vergleiche nur eine moralische, keine wesenhafte Einheit der drei Personen. Allein die Art und Weise, wie Augustin den Vergleich durchführt, zielt darauf ab, zu zeigen, daß die drei Personen in Gott zu einer wesenhaften Einheit verbunden sind. Denn wenn schon, wie Hurter (II. 6) bemerkt, ein so geringes Maß der Teilnahme an der göttlichen Liebe die Gläubigen so unter sich verbindet, daß sie ein Herz und eine Seele genannt werden können, um wieviel mehr werden die göttlichen Personen, welche an der göttlichen Liebe nicht teilnehmen, sondern in wesenhafter Identität die Liebe selbst sind, eins sein nicht bloß dem Affekte nach, sondern durch eine und dieselbe Liebe, die sie selbst sind, und somit durch eine und dieselbe Natur?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger