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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
38. Vortrag

8.

Doch beachte das, was Christus der Herr sagt: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden“. Was heißt das: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden. Ich bin“ ― was bin ich? Er fügte nichts hinzu, und weil er nichts hinzufügte, ist es viel, was er uns zu verstehen gibt. Man konnte nämlich erwarten, daß er [S. 576] sagen würde, was er sei, und doch sagte er es nicht. Was konnte man erwarten, daß er sagen würde? Vielleicht: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich bin“ Christus; „wenn ihr nicht glaubet, daß ich bin“ der Sohn Gottes; „wenn ihr nicht glaubet, daß ich bin“ das Wort des Vaters; „wenn ihr nicht glaubet, daß ich bin“ der Schöpfer der Welt; „wenn ihr nicht glaubet, daß ich bin“ der Bildner und Wiederhersteller, der Erschaffer und Neuschaffer, der Erzeuger und Wiedererzeuger1 des Menschen; „wenn ihr“ das „nicht glaubet, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden“. Viel ist es, was er sagte mit dem Worte: „Ich bin“, weil so auch Gott zu Moses gesagt hatte: „Ich bin, der ich bin“2. Wer möchte es würdig aussprechen, was es heißt: „Ich bin“? Es sandte Gott durch seinen Engel seinen Diener Moses, sein Volk aus Ägypten zu befreien (ihr habt gelesen, was ihr gehört, und kennet es, ich erwähne es aber doch), er sandte einen Zitternden, sich Entschuldigenden, aber einen Gehorchenden. Da er also sich entschuldigte, sprach er zu Gott, von dem er wußte, daß er im Engel rede: „Wenn das Volk zu mir sagt: Und wer ist der Gott, der dich gesandt hat, was soll ich zu ihnen sagen?“ Und der Herr antwortete ihm: „Ich bin, der ich bin“; und er wiederholte: „Du sollst zu den Söhnen Israels sagen: Der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Er sagte auch dort nicht: Ich bin Gott; oder ich bin der Erbauer der Welt; oder ich bin der Schöpfer aller Dinge; oder ich bin der Förderer eben dieses zu befreienden Volkes, sondern er sagte nur dies: „Ich bin, der ich bin“, und: „Du sollst sagen zu den Söhnen Israels: Der da ist“; er fügte nicht hinzu: Der da ist euer Gott, der da ist der Gott eurer Väter, sondern nur dies sagte er: „Der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Vielleicht war es viel auch für Moses selbst, wie es viel ist auch für uns, und noch viel mehr für uns, zu verstehen, was damit gesagt ist: „Ich bin, der ich bin“, und: „Der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Und wenn vielleicht Moses es verstünde, [S. 577] wann würden es die verstehen, zu welchen er gesandt wurde? Der Herr verschob also, was der Mensch doch nicht fassen konnte, und fügte hinzu, was er fassen konnte; er fügte nämlich bei und sagte: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“. Dies kannst du fassen; denn: „Ich bin, der ich bin“, welcher Verstand kann dies fassen?

1: Formator et reformator, creator et recreator, factor et refactor.
2: Exod. 3, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger