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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
38. Vortrag

7.

Warum ihnen das zustößt, erklärt er mit den Worten: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden“. Ich glaube, Brüder, daß in jener Menge, die den Herrn hörte, auch solche gewesen sind, die später gläubig wurden. Gleichsam an alle aber war jener so strenge Urteilsspruch ergangen: „In eurer Sünde werdet ihr sterben“, und dadurch war auch jenen, die künftig gläubig werden sollten, die Hoffnung benommen; jene wüteten, diese zagten, oder vielmehr sie zagten nicht, sondern verzweifelten bereits. Er rief sie zur Hoffnung zurück, denn er fügte [S. 575] bei: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden“. Also wenn ihr glaubet, daß ich es bin, werdet ihr in euren Sünden nicht sterben. Die Hoffnung ward den Verzweifelten wieder zurückgegeben, den Schlafenden Erweckung gebracht, sie erwachten im Herzen; so wurden sehr viele gläubig, wie der folgende Text des Evangeliums selbst bezeugt. Es waren ja darunter Glieder Christi, welche sich dem Leibe Christi noch nicht angeschlossen hatten; auch in jenem Volke, von dem er gekreuzigt, von dem er ans Holz geheftet, von dem er dort hängend verspottet, von dem er mit einer Lanze verwundet, von dem er mit Galle und Essig getränkt wurde, waren Glieder Christi, für die er betete: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“1. Was aber wird dem Bekehrten nicht verziehen, wenn sogar die Vergießung des Blutes Christi verziehen wird? Wer sollte an einem Mörder verzweifeln, wenn dem Hoffnung gegeben wurde, von dem sogar Christus getötet wurde? Es wurden darum viele gläubig; es ward ihnen das Blut Christi geschenkt, damit sie es trinken sollten, mehr um dadurch befreit, als um wegen seiner Vergießung als schuldig gefesselt zu werden; wer sollte verzweifeln? Auch wenn am Kreuze der Schächer gerettet wurde, kurz vorher noch ein Mörder, bald darauf angeklagt, überführt, verurteilt, aufgehängt, befreit ― wundere dich nicht. Wo überführt, da verurteilt; aber da befreit, wo bekehrt. In diesem Volke also, zu dem der Herr sprach, waren solche, die in ihrer Sünde sterben sollten; es gab aber auch solche, welche an den, der redete, glauben und von aller Sünde befreit werden sollten.

1: Luk. 23, 34.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger