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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
38. Vortrag

2.

Jetzt aber redete er von eben diesem Leiden, welches feststand nicht durch eine ihm auferlegte Notwendigkeit, sondern durch seine Macht, indem er zu den Juden sagte: „Ich gehe“. Denn für Christus den Herrn war der Tod ein Hingang dorthin, woher er gekommen war und von wo er nicht weggegangen war. „Ich gehe“, sprach er, „und ihr werdet mich suchen“, nicht aus Sehnsucht, sondern aus Haß. Denn nachdem er den Augen der Menschen entschwunden war, suchten ihn sowohl seine Feinde wie seine Freunde, jene aus Verfolgungssucht, diese aus Sehnsucht. In den Psalmen sagt der Herr selbst durch den Propheten: „Verloren ist die Flucht für mich, und niemand ist, der meine Seele sucht“1, und wiederum sagt er an einer andern [S. 571] Psalmstelle: „Beschämt und zuschanden sollen werden, die meine Seele suchen“2. Er klagte jene an, die sie nicht suchten; er verurteilte jene, die sie suchten. Denn schlimm ist es, die Seele Christi nicht zu suchen, aber in dem Sinne, wie sie die Jünger suchten; und es ist schlimm, die Seele Christi zu suchen, jedoch in dem Sinne, wie sie die Juden suchten; jene nämlich suchten sie, um sie zu haben, diese, um sie zu verderben. Und schließlich, weil die letzteren sie so suchten, nämlich in schlechter Weise, mit verkehrtem Herzen, was fügte er deshalb im Folgenden bei? „Ihr werdet mich suchen und“ ― damit ihr nicht meinet, daß ihr mich recht suchet ― „ihr werdet in eurer Sünde sterben“. Das heißt Christum schlecht suchen ― in seiner Sünde sterben; das heißt ihn hassen, durch den man allein gerettet werden könnte. Denn während doch die Menschen, deren Hoffnung in Gott ist, nicht Böses vergelten sollten, nicht einmal für Böses, vergalten jene Böses für Gutes. Der Herr kündete es ihnen also zum voraus an und fällte das Urteil in der Voraussicht, daß sie in ihrer Sünde sterben würden. Sodann fügt er hinzu: „Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen“. Das sagte er an einer andern Stelle auch zu den Jüngern, und doch sagte er zu ihnen nicht: „Ihr werdet in eurer Sünde sterben“. Was aber sagte er? Dasselbe was er auch zu diesen sagte: „Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen“3. Er benahm ihnen nicht die Hoffnung, sondern sagte ihnen nur den Aufschub voraus. Denn damals, als der Herr dies zu den Jüngern sprach, konnten sie nicht hinkommen, wohin er ging, aber später sollten sie hinkommen; jene aber sollten niemals hinkommen, zu denen er vorauswissend sagte: „In eurer Sünde werdet ihr sterben“.

1: Ps. 141, 5 [hebr. Ps. 142, 5].
2: Ps. 39, 15 [hebr. Ps. 40, 15].
3: Joh. 13, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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