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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
37. Vortrag

8.

„Diese Worte redete Jesus bei dem Gotteskasten, lehrend im Tempel“, mit großer Zuversicht, ohne Furcht. Denn er würde nicht leiden, was er nicht wollte, der auch nicht geboren wäre, wenn er nicht gewollt hätte. Und was folgt hierauf? „Und niemand ergriff ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war.“ Wenn dies hinwieder einige hören, so meinen sie, Christus sei unter dem Fatum gestanden, und sagen: Siehe, Christus wurde vom Fatum beherrscht. O wenn dein [S. 566] Herz nicht töricht1 wäre, würdest du an kein Fatum glauben. Wenn Fatum, wie es manche verstanden haben, von fari kommt, d. h. vom Reden, wie kann das Wort Gottes ein Fatum über sich haben, da doch in diesem Worte alles ist, was gemacht wurde? Denn Gott hat nichts geschaffen, was er vorher nicht wußte; in seinem Worte war, was geworden ist. Die Welt ist geworden; sie ist sowohl geworden, als auch war sie dort. Wie ist sie sowohl geworden, als auch dort gewesen? Weil das Haus, welches der Baumeister errichtet, zuerst in der künstlerischen Idee war, und dort war es besser aufgehoben, es alterte nicht, es drohte kein Einsturz; jedoch um die künstlerische Idee zu offenbaren, erbaut er das Haus, und es ging gewissermaßen das Haus aus dem Hause hervor, und wenn auch das Haus einstürzt, die künstlerische Idee bleibt. So war auch beim Worte Gottes alles, was erschaffen wurde, weil Gott alles in Weisheit gemacht hat2, und alles, was er gemacht hat, ihm vorher bekannt war; denn nicht hat er es kennen gelernt, weil er es machte, sondern weil er es kannte, hat er es gemacht. Uns ist es bekannt, weil es gemacht wurde; dagegen wenn es ihm nicht schon bekannt gewesen wäre, so wäre es nicht gemacht worden. Das Wort ging also vorher. Und was war vor dem Worte Gottes? Gar nichts. Denn wenn etwas vorher gewesen wäre, würde es nicht heißen: „Im Anfang war das Wort“, sondern: Im Anfang ist das Wort geworden. Schließlich, was sagt Moses von der Welt? „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“3. Er schuf, was nicht war; wenn er also schuf, was nicht war, was war dann vorher? „Im Anfang war das Wort.“ Und wie entstand Himmel und Erde? „Alles ist durch dasselbe gemacht worden“4. Du also willst Christus unter das Fatum stellen? Wo ist das Fatum? Im Himmel, sagst du, in der Reihenfolge und in den Bewegungen der Gestirne. Wie nun hat der ein Fatum über sich, durch [S. 567] den der Himmel und die Gestirne gemacht wurden, da doch dein Wille, wenn du richtig denkst, sogar die Sterne übersteigst? Oder bist du, weil du weißt, das Fleisch Christi sei unter dem Himmel gewesen, deshalb der Meinung, auch die Macht Christi sei dem Himmel unterworfen?

1: Fatuum, Wortspiel mit fatum.
2: Ps. 103, 24 [hebr. Ps. 104, 24].
3: Gen. 1, 1.
4: Joh. 1, 1. 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger