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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
37. Vortrag

7.

Kurz vorher sagte er: „Mein Gericht ist wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“, als würde er sagen: Deshalb ist mein Gericht wahr, weil ich der Sohn Gottes bin, weil ich die Wahrheit rede, weil ich die Wahrheit selbst bin. Jene verstanden es fleischlich und sagten: „Wo ist Dein Vater?“ Nun höre, Arianer: „Ihr kennet weder mich noch meinen Vater“; denn „wenn ihr mich kennen würdet, so würdet ihr auch meinen Vater kennen“. Was heißt: „Wenn ihr mich kennen würdet, so würdet ihr auch meinen Vater kennen“, als: „Ich und der Vater sind eins“? Wenn du jemand siehst, der einem andern ähnlich ist ― eure Liebe merke auf, es ist eine tägliche Redensart, es soll euch nicht schwierig vorkommen, was ihr als etwas Gewöhnliches erkennet ―, wenn du also jemand siehst, der einem andern ähnlich ist, und den kennst, dem er ähnlich ist, sagst du erstaunt: Wie ist doch dieser Mensch dem andern so ähnlich! Dies würdest du nicht sagen, wenn es nicht zwei wären. Da sagt einer, der jenen nicht kennt, dem dieser nach deiner Versicherung ähnlich ist: Wirklich, ist er (ihm) ähnlich? Und du zu ihm: Wie denn, kennst du ihn nicht? Und er [S. 565] erwidert: Nein, ich kenne ihn nicht. Damit du ihm nun den, den er nicht kennt, kenntlich machest durch den Gegenwärtigen, den er vor Augen hat, erwiderst du und sagst: Wenn du diesen gesehen hast, hast du auch jenen gesehen. Gewiß hast du, indem du dies sagtest, nicht behauptet, es sei nur einer, nicht zwei, sondern wegen der Ähnlichkeit hast du diese Antwort gegeben: Du kennst den und darum kennst du auch jenen; denn er ist ihm sehr ähnlich und hat gar nichts Verschiedenes. In diesem Sinne sagt auch der Herr: „Wenn ihr mich kennen würdet, würdet ihr auch meinen Vater kennen“, nicht weil der Vater der Sohn ist, sondern weil der Sohn dem Vater ähnlich ist. Es erröte der Arianer. Dank sei dem Herrn, daß zwar der Arianer von dem sabellianischen Irrtum sich losgemacht hat und kein Patripassianer ist; er sagt nicht, der Vater sei mit dem Fleische bekleidet zu den Menschen gekommen, er habe gelitten, er sei auferstanden und gewissermaßen zu sich selbst aufgefahren; dies sagt er nicht, er anerkennt mit mir, der Vater sei Vater, und der Sohn sei Sohn. Aber, o Bruder, du hast allerdings diesen Schiffbruch vermieden, allein warum steuerst du dem andern zu? Der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn; warum nennst du ihn ungleich, warum verschieden, warum eine andere Substanz? Wenn er ungleich wäre, würde er dann wohl zu seinen Jüngern sagen: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“? Würde er dann wohl zu den Juden sagen: „Wenn ihr mich kennen würdet, so würdet ihr auch meinen Vater kennen“? Wie wäre dies wahr, wenn nicht auch der andere Ausspruch wahr wäre: „Ich und der Vater sind eins“?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger