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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
37. Vortrag

6.

Schon gestern haben wir eurer Liebe klar gemacht und gesagt, die Aussprüche des Evangelisten Johannes, worin er uns berichtet, was er vom Herrn gelernt hat, wären wenn möglich nicht einmal zu erörtern gewesen, wenn nicht die Einfälle der Häretiker dazu nötigten. Kurz also haben wir gestern eurer Liebe bedeutet, es gäbe Häretiker, die Patripassianer heißen oder nach ihrem Urheber Sabellianer; diese behaupten, derselbe sei der Vater, welcher der Sohn ist, die Namen seien verschieden, eine aber sei die Person. Wenn er will, ist er Vater, sagen sie; wenn er will, Sohn; jedoch ist es nur einer. Desgleichen gibt es andere Häretiker, die Arianer heißen. Sie bekennen zwar als den einzigen Sohn des Vaters unseren Herrn Jesus Christus, jenen als Vater des Sohnes, diesen als Sohn des Vaters; der, welcher der Vater ist, sei nicht der Sohn, der, welcher der Sohn ist, sei nicht der Vater; sie bekennen die Zeugung, aber leugnen die Gleichheit. Wir, d. h. der katholische Glaube, der da herkommt von der Lehre der Apostel, der gepflanzt ist in uns, durch die Reihenfolge der Nachfolgerschaft übermittelt, um in Reinheit den Nachkommen überliefert zu werden, hat zwischen beiden, d. h. zwischen beiden Irrtümern, die Wahrheit festgehalten. In dem Irrtum der Sabellianer ist nur [S. 564] einer, derselbe ist der Vater, welcher der Sohn; in dem Irrtum der Arianer ist zwar ein anderer der Vater, ein anderer der Sohn, allein der Sohn ist nicht bloß ein anderer, sondern auch etwas anderes; du in der Mitte, was meinst du? Du hast den Sabellianer abgewiesen, weise auch den Arianer ab. Der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn, ein anderer, nicht etwas anderes; denn, sagt er: „Ich und der Vater sind eins“1, wie ich auch gestern, so gut ich konnte, dargelegt habe. Bei dem Worte: „Wir sind“, möge der Sabellianer beschämt abtreten; bei dem Worte: „Eins“, möge der Arianer beschämt abtreten; der Katholik lenke zwischen beiden das Schifflein seines Glaubens, denn bei beiden muß man sich vor einem Schiffbruch in acht nehmen. Sag also du, was das Evangelium sagt: „Ich und der Vater sind eins“. Also nicht verschieden, weil „eins“; nicht einer, weil „wir sind“.

1: Joh. 10. 30.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger