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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
37. Vortrag

4.

Nunmehr habt ihr, wie ich glaube, verstanden, in welchem Sinne das „Vielleicht“ gebraucht ist, damit nicht ein Wortklauber und Silbenstecher, der sich auf den Sprachgebrauch versteht1, das Wort tadle, welches das Wort Gottes gebraucht hat, und, indem er das Wort Gottes tadelt, nicht beredt, sondern stumm bleibe. Denn er redet so, wie das Wort Gottes redet, das im Anfang bei Gott war? Du sollst nicht unsere Worte in Betracht ziehen und an diesen uns geläufigen Worten jenes Wort messen wollen, welches Gott ist. Du hörst nämlich „Wort“ und achtest nicht darauf; höre Gott und fürchte: „Im Anfang war das Wort“. Du hast die Alltagssprache im Auge und sagst bei dir: Was ist ein Wort? Was Großes ist ein Wort? Es tönt und geht vorüber, es erschüttert die Luft und schlägt an das Ohr, dann ist es nicht mehr. Höre weiter: „Das Wort war bei Gott“; es blieb, es verging nicht im Ertönen. Vielleicht achtest du noch immer nicht darauf: „Gott war das Wort“. Wenn bei dir selbst, o Mensch, ein Wort in deinem Herzen ist, ist es etwas anderes als der Ton, allein damit das Wort, das bei dir ist, zu mir herüberkomme, sucht es den Ton gleichsam wir ein Fahrzeug. Es nimmt also den Ton [S. 562] an, setzt sich gewissermaßen in das Fahrzeug, durchschreitet die Luft, kommt zu mir und entfernt sich nicht von dir. Der Ton aber hat sich, um zu mir zu kommen, von dir entfernt und blieb auch nicht bei mir. Ist nun etwa das Wort, das in deinem Herzen war, beim Vergehen des Tones vergangen? Was du dachtest, hast du gesprochen, und damit zu mir käme, was bei dir verborgen war, hast du Silben ertönen lassen; der Klang der Silben hat deinen Gedanken an mein Ohr gebracht; durch mein Ohr stieg dein Gedanke in mein Herz hinab, der vermittelnde Ton ist verflogen; das Wort aber, das den Ton annahm, war, bevor du es ertönen ließest, bei dir; weil du es ertönen ließest, ist es bei mir und es hat sich von dir doch nicht getrennt. Dies erwäge, du Untersucher der Töne, wer immer du bist. Auf das Wort Gottes gibst du nicht acht, der du nicht einmal das Wort des Menschen begreifst.

1: Veluti latine loqui sciens.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger