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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
VI. Kapitel

30.

1. Man darf also selbstverständlich den Glauben nicht mehr als etwas Geringes verleumden,1 als etwas leicht zu Beschaffendes und Gewöhnliches und dazu als etwas ganz Alltägliches; denn wenn die Sache von Menschen wäre, wie die Griechen annahmen, dann wäre sie wohl schon wieder verschwunden; der Glaube aber wächst, und es gibt keinen Ort, wo er nicht wäre.2

2. Ich behaupte demnach, daß der Glaube, mag er nun seinen Grund in der Liebe haben oder auch, wie die Ankläger sagen, in der Furcht, etwas Göttliches ist, da er weder von einer anderen, weltlichen Zuneigung zerstört noch von einer etwa vorhandenen Furcht aufgelöst wird.

3. Denn die Liebe läßt durch die sie mit dem Glauben verbindende [S. 173] Freundschaft die Gläubigen entstehen; der Glaube aber ist Grundlage der Liebe, indem er seinerseits dazu veranlaßt, Gutes zu tun, während ja auch die Furcht, durch die das Gesetz erzieht,3 nur infolge davon, daß man sich fürchten zu müssen glaubt, die Grundlage ihres Daseins als Furcht im Glauben hat.

4. Wenn sich nämlich das Sein durch das Wirken erweist, die Furcht (das Gefürchtete) aber etwas Zukünftiges ist und nur droht, aber noch nicht wirksam und gegenwärtig ist, so ist sie Gegenstand des Glaubens; und da man an ihr Sein nur glaubt, kann sie nicht selbst Erzeugerin des Glaubens sein, da sie ja erst von diesem selbst als des Glaubens wert erwiesen wurde.4

1: Nach (xxx) ist (xxx) einzuschieben, und nach (xxx) ist Komma zu setzen.
2: Vgl. Apg 5,38f.
3: Vgl. Gal 3,24.
4: Clemens kommt es hier darauf an, die Einzigartigkeit des Glaubens zu erweisen; darum sucht er zu zeigen, daß sowohl die Liebe als auch die Furcht den Glauben zur Voraussetzung hat. Bei der Furcht ist es insofern der Fall, als die vom Gesetz ausgehende Furcht, d.h. die durch das Gesetz angedrohte Strafe, nur etwas Geglaubtes ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger