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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
VI. Kapitel

28.

1. Wer sollte aber mächtiger als Gott sein? Der Unglaube dagegen ist die schwache etwas ablehnende Vermutung, daß das Entgegengesetzte wahr ist, so wie das Mißtrauen (die Schwergläubigkeit) ein Verhalten ist, das nur schwer den Glauben annimmt. Und der Glaube ist ein Vermuten aus freien Stücken und ein verständiges Vorwegnehmen vor dem sicheren Erfassen. (Die Hoffnung aber [S. 171] ist die sichere Erwartung von dem Erlangen eines Gutes)1 Und die Erwartung ist die Vorstellung von etwas Zukünftigem.2 Während aber die Erwartung der anderen die Vorstellung von etwas Unsicherem ist, so ist die Zuversicht das feste Erfassen irgendeiner Sache.

2. Deshalb glauben wir an das, worauf wir unsere Zuversicht setzen, an die Herrlichkeit Gottes und an sein Heil; wir setzen aber unsere Zuversicht auf den alleinigen Gott, von dem wir wissen, daß er sich von seinen herrlichen Verheißungen und von dem nicht abkehren wird, was er ihretwegen erschaffen und uns aus Wohlwollen geschenkt hat.

3. Wohlwollen ist die Gesinnung, die einem anderen Gutes wünscht um seiner selbst willen.3 Denn Gott ist bedürfnislos;4 auf uns aber richtet sich die Wohltat und die Güte des Herrn, die göttliches Wohlwollen ist, und zwar Wohlwollen mit dem Ziel, Gutes zu tun.5

4. Wenn es aber "dem Abraham zur Gerechtigkeit angerechnet wurde, daß er glaubte"6 und wir infolge der Predigt Same Abrahams sind, so müssen auch wir glauben; denn Israeliten sind wir, die wir nicht infolge von Zeichen, sondern infolge von der Predigt gehorsam sind.7

5. Deswegen heißt es: "Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, brich in Jubel aus und frohlocke, die du keine Wehen hast; denn zahlreicher sind die Kinder der Alleinstehenden als derer, die den Mann hat."8 "Du lebtest zum Schutzwall für dein Volk; gepriesen wurden deine Kinder in den Zelten der Väter."9

6. Wenn aber die nämlichen Wohnungen von der Weissagung uns und den Patriarchen verheißen werden, so ist damit bewiesen, daß es nur eine einzigen Gott für beide Testamente gibt.

1: Diese eingeklammerten Worte sind nach einer Vermutung von Pohlenz hinzugesetzt; vgl. oben 27,2.
2: Vgl. Platon, Gesetze I p. 644 DC; Laches p. 198 C; Protagoras p. 358 D.
3: Zur Definition von "Wohlwollen" ((xxx) eunoia) vgl. Paid. I. 97,3 mit Anm.
4: Vgl. Philon, Quod det. pot. 55; Quod deus s. imm. 56.
5: Zur Definition von "Güte" ((xxx) eumeneia) vgl. Abdronikos, De affect. p. 21,1 Kreuttner.
6: Röm 4,3.9.22; Gal 3,6; Jak 2,23.
7: Vgl. 1 Kor 14,22.
8: Jes 54,1 (Gal 4,27).
9: Der Vers findet sich nicht in der LXX; vielleicht ist er Übersetzungsvariante zu Jes 54,2.3.10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger