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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
VI. Kapitel

26.

1. Auch die Fruchtbarkeit des Ackerlandes tritt fördernd zur Aussaat des Samens hinzu. Die beste Unterweisung nützt ja nichts, wenn die Lernenden nicht zum [S. 169] Aufnehmen bereit sind, und ebensowenig die Weissagung, wenn bei den Hörern der Wille zum Glauben fehlt.

2. Auch das dürre Reisig kann ja leichter angezündet werden, weil es so beschaffen ist, daß es von der Kraft des Feuers leicht erfaßt werden kann; und der bekannte (Magnet) Stein zieht das Eisen wegen des verwandten Stoffes an,1 ebenso wie die Suchinonträne2 kleine Fasern anzieht und der Bernstein die Spreu sich bewegen läßt. In diesen Fällen gehorcht das, was angezogen wird, deswegen, weil es durch eine geheimnisvolle Ausströmung (Pneuma)3 angezogen wird; dabei ist es nicht selten die Ursache, aber doch Mitursache.

3. Während es nun zwei Arten von Bosheit gibt, von denen die eine mit Täuschung und im Verborgenen, die andere mit offener Gewalt ihr schlimmes Werk verübt, so ergeht der Ruf des göttlichen Wortes laut an alle zusammen, obwohl es sogar ganz genau die kennt, die nicht gehorchen werden, hat es trotzdem, weil bei uns die Entscheidung liegt, ob wir gehorchen wollen oder nicht, recht daran getan, alle zu berufen, damit niemand sich mit Unkenntnis entschuldigen könne, und fordert von jedermann, was seinem Können entspricht.

4. Denn bei den einen ist Wollen und Können zugleich vorhanden, da sie die Fähigkeit dazu durch Übung gesteigert und sich selbst geläutert haben; die andern aber haben, wenn sie auch noch nicht können, doch schon den guten Willen. Nun ist das Wollen Sache der Seele, das Tun aber ist nicht möglich ohne den Körper.

5. Indessen wird das Handeln nicht nur nach dem Endergebnis bemessen, sondern auch nach der Absicht jedes einzelnen beurteilt,4 ob er sich leicht entschloß, ob er seine Fehler bereute, ob er einsah, worin er zum Falle kam, und seinen Sinn änderte, d.h. nachher zur Besinnung [S. 170] kam;5 denn die Reue ist eine späte (erst hintennach kommende) Erkenntnis, dagegen Erkenntnis gleich von vorne herein ist die völlige Sündlosigkeit.

1: Vgl. Platon, Ion p. 533 DE. Die Erklärung der Anziehungskraft aus der Verwandtschaft zwischen Magnetstein und Eisen deckt sich mit der Erklärung des Diogenes von Apollonia bei Alexandros von Aphrodisias; Vgl. Pauly-Wissowa XIV Sp. 478, 63 ff.
2: Suchinonträne ist die aus dem Lateinischen (sucinum) stammende Benennung des Bernsteins, der sonst im Griechischen Elektron heißt. Clemens verwendet hier beide Bezeichnungen, als ob sie etwas Verschiedenes bedeuteten.
3: Die Anziehungskraft des Magnetsteins und des Bernsteins wurde aus dem Wehen eines dämonischen Pneumas erklärt.
4: Sacr. Par. 217 Holl.
5: Das Verbum (xxx) wird als ein "nacher erkennen" erklärt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger