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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
36. Vortrag

9.

Warum also ist wahr sein Gericht, als weil er wahrhaft der Sohn ist? Denn so hat er gesagt: „Und wenn ich richte, ist mein Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“. Als würde er sagen: „Mein Gericht ist wahr“, weil ich der Sohn Gottes bin. Wie beweisest Du, daß Du der Sohn Gottes bist? „Weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Erröte, Sabellianer, du hörst den Sohn, du hörst den Vater. Der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn. Er sagte nicht: Ich bin der Vater, und ich derselbe bin der Sohn, sondern: „Ich bin nicht allein“, sagt er. Warum bist Du nicht allein? Weil der Vater bei mir ist. „Ich bin und der Vater, der mich gesandt hat“; du hörst: „Ich bin, und der mich gesandt hat“. Verliere nicht eine Person, unterscheide die Personen. Unterscheide verständig, trenne nicht unredlich, damit du nicht hinwieder, gleichsam der Charybdis entfliehend, in die Szylla geratest. Es verschlang dich nämlich der Strudel der Gottlosigkeit der Sabellianer, so daß du sagtest, derselbe sei der Vater, welcher der Sohn ist; nunmehr bist du belehrt worden: „Ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“. Du gibst zu, daß der Vater Vater ist und der Sohn Sohn ist. Dies gibst du richtig zu, aber sage nicht: der Vater ist größer, der Sohn ist kleiner; sage nicht: der Vater ist Gold, der Sohn ist Silber. Eine Substanz ist es, eine Gottheit, eine Ewigkeit, vollkommene Gleichheit, keine Unähnlichkeit. Denn wenn du glaubst, Christus sei ein anderer, nicht der, welcher Vater ist, ihn jedoch in einer Beziehung der Natur nach für verschieden hältst, so bist du zwar der Charybdis entgangen, aber du hast Schiffbruch [S. 555] gelitten an den Klippen der Szylla. Fahre in der Mitte, vermeide beide gefährliche Seiten. Der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn. Schon sagst du: Der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn; gut bist du der Gefahr des verschlingenden Strudels entkommen; warum willst du auf die andere Seite gehen, daß du sagst: Etwas anderes ist der Vater, etwas anderes der Sohn? Er ist ein anderer, sagst du mit Recht; er ist etwas anderes, sagst du mit Unrecht. Denn der Sohn ist ein anderer, weil er nicht derselbe ist wie der Vater, und ein anderer ist der Vater, weil er nicht derselbe ist wie der Sohn; jedoch nicht etwas anderes, sondern dasselbe ist sowohl der Vater als der Sohn. Was heißt dies: dasselbe? Es ist ein Gott. Du hast gehört: „Ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“. Höre, wie du glauben sollst an den Vater und den Sohn, höre den Sohn selbst: „Ich und der Vater sind eins“1. Er sagte nicht: Ich bin der Vater, oder: Ich und der Vater sind einer; aber wenn er sagt: „Ich und der Vater sind eins“, so höre auf beides: „eins“ und „wir sind“, und du wirst sowohl von der Charybdis wie von der Szylla befreit werden. Wenn er in den beiden Worten sagt: „Eins“, so befreit er dich von Arius; wenn er sagt: „Wir sind“, so befreit er dich von Sabellius. Wenn „eins“, dann also nicht verschieden; wenn „wir sind“, dann also der Vater und der Sohn. Denn „wir sind“ würde er nicht von einem sagen, aber auch „eins“ würde er nicht von Verschiedenem sagen. Also deshalb sagt er: „Mein Gericht ist wahr“ ― damit du es kurz hörest ―: Weil ich der Sohn Gottes bin. Aber so, sagt er, möchte ich dich überzeugen, daß ich der Sohn Gottes bin, daß du erkennest, der Vater sei bei mir; nicht so bin ich der Sohn, daß ich ihn verlassen hätte; nicht so bin ich hier, daß ich bei ihm nicht bin; nicht so ist er dort, daß er bei mir nicht ist. Die Knechtsgestalt nahm ich an2, aber die Gottesgestalt verlor ich nicht; „also“, sagt er, „ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“.

1: Joh. 10, 30.
2: Phil. 2, 7.

 

 

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Gregor Emmenegger