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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
36. Vortrag

7.

Ich will also reden; wer kann, fasse es, wer nicht kann, glaube es; dennoch rede ich von dem, was der Herr sagt: „Ihr richtet nach dem Fleische, ich richte niemand“, entweder jetzt oder nach dem Fleische. „Aber auch wenn ich richte, ist mein Gericht wahr.“ Warum ist Dein Gericht wahr? „Weil ich nicht allein bin“, sagt er, „sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Wie also, Herr Jesus? Wenn Du allein wärest, wäre Dein Gericht falsch, und richtest Du deshalb wahr, weil Du nicht allein bist, sondern Du und der Vater, der Dich gesandt hat? Was soll ich antworten? Er selbst antworte: „Wahr“, sagt er, „ist mein Gericht“. Warum? „Weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Wenn er bei Dir ist, wie hat er Dich gesandt? Er hat Dich gesandt, und Du bist bei ihm? So bist Du also, obwohl gesandt, nicht weggegangen? So bist Du also sowohl zu uns gekommen, als auch dort geblieben? Wie soll man das glauben? Wie soll man das fassen? Auf diese zwei Fragen erwidere ich: Wie kann man es fassen, sagst du mit Recht; wie kann man es glauben, sagst du nicht mit Recht. Ja gerade deshalb glaubt man es füglich, weil man es nicht sofort faßt; denn würde man es sofort fassen, dann wäre kein Bedürfnis vorhanden, es zu glauben, weil man es sähe. Darum glaub du es, weil du es nicht fassest, aber durch gläubiges Hinnehmen wirst du fähig, es zu fassen. Denn wenn du es nicht glaubst, wirst du es nie fassen, weil du weniger fähig bleiben wirst. Der Glaube also soll dich reinigen, damit das Verständnis dich erfülle. „Wahr“, sagt er, „ist mein Gericht, weil ich nicht [S. 553] allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Also, Herr, unser Gott Jesus Christus, Deine Sendung ist Deine Menschwerdung. So sehe ich es, so verstehe ich es; schließlich so glaube ich es, damit es nicht als Anmaßung erscheine zu sagen: So verstehe ich es. Kurz, auch hier ist unser Herr Jesus Christus, vielmehr hier war er nach dem Fleische, jetzt ist er hier nach der Gottheit; er war sowohl bei dem Vater, als auch hatte er den Vater nicht verlassen. Wenn es also heißt, er sei durch seine Sendung zu uns gekommen, so wird dadurch seine Menschwerdung nahegelegt, denn der Vater ist nicht Mensch geworden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger