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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
36. Vortrag

5.

Denn damit ihr Christus jetzt auch als Richter erkennet, hört das Folgende: „Und wenn ich richte, so ist mein Gericht wahr“. Siehe, da hast du auch den Richter, aber anerkenne ihn als Heiland, damit du ihn nicht als Richter fühlen mußt. Warum aber sagt er, [S. 550] daß sein Gericht wahr sei? „Weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Ich habe euch gesagt, Brüder, daß der heilige Evangelist Johannes sehr hoch fliegt; es ist kaum möglich, ihn mit dem Geiste zu erfassen. Ich muß aber das Geheimnis des so hoch Fliegenden eurer Liebe erklären. Sowohl beim Propheten Ezechiel wie in der Apokalypse desselben Johannes, von dem dieses Evangelium ist, wird ein vierfaches Tier erwähnt, welches vier Gesichter hat, das eines Menschen, eines Rindes, eines Löwen, eines Adlers1. Die vor uns die Geheimnisse der heiligen Schriften behandelten, haben sehr häufig unter diesem Tiere oder vielmehr unter diesen vier Tieren die vier Evangelisten verstanden. Löwe stehe für König, weil der Löwe gewissermaßen als der König unter den Tieren erscheint wegen seiner Macht und furchtbaren Stärke. Dieses Gesicht wurde dem Matthäus zugewiesen, weil er in dem Geschlechtsregister des Herrn die Königsreihe verfolgte, wie der Herr durch den königlichen Stamm von dem Samen des Königs David sei. Dem Lukas aber wurde, weil er mit dem Priesteramt des Priesters Zacharias begann, indem er des Vaters des Johannes Baptista Erwähnung tat, das Rind zugeteilt, denn ein großes Schlachtopfer war das Rind bei dem Opferdienst der Priester. Dem Markus wurde mit Recht der Mensch Christus zugewiesen, weil er weder von der königlichen Würde etwas sagte noch mit der priesterlichen begann, sondern einfach von dem Menschen Christus anfing. Diese alle entfernten sich beinahe nicht von dem Irdischen, d. i. von dem, was der Herr Jesus Christus auf Erden tat; von seiner Gottheit haben sie sehr wenig gesprochen, gleichsam auf Erden mit ihm wandelnd. Es bleibt noch der Adler übrig; der ist Johannes, der erhabene Dinge verkündet und das innere und ewige Licht mit festen Augen betrachtet. Es sollen ja auch die Jungen der Adler von den Eltern so erprobt werden, daß sie an der Kralle des Vaters in der Schwebe gehalten und den Sonnenstrahlen ausgesetzt werden; wer fest darauf hinschaut, wird als Sohn anerkannt; wenn aber [S. 551] einer mit dem Auge zuckt, wird er gleichsam als unecht aus der Kralle fallen gelassen. Sehet also nunmehr, welch hohe Dinge der reden mußte, der dem Adler verglichen wurde; und dennoch wagen auch wir, die wir auf dem Boden dahinkriechen, schwach und kaum von irgendwelcher Bedeutung unter den Menschen, diese Dinge zu behandeln und zu erklären, und wir meinen, sie entweder fassen zu können durch Nachdenken, oder erfaßt zu werden bei der Erklärung.

1: Ez. 1, 5―10; Off. 4, 6. 7.

 

 

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