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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
35. Vortrag

3.

Christus der Herr hatte also das Zeugnis der von ihm vorhergeschickten Propheten, der vor dem Richter hergehenden Herolde; er hatte das Zeugnis von Johannes, aber größer war das Zeugnis, das er sich selbst gab. Jene aber suchten mit schwachen Augen Lampen, weil sie den Tag nicht ertragen konnten; denn derselbe Apostel Johannes, dessen Evangelium wir in Händen haben, sagt im Anfang dieses seines Evangeliums von Johannes: "Es war ein Mensch von Gott gesandt, mit Namen Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, um Zeugnis zu geben von dem Lichte, damit alle durch ihn glauben sollten. Er war nicht das Licht, sondern, daß er Zeugnis gebe von dem Lichte. Es war das wahre Licht, welches erleuchtet einen jeden Menschen, der in die Welt kommt". Wenn "jeden" folglich auch den Johannes. Darum sagt derselbe Johannes: "Wir alle haben von seiner Fülle empfangen"1 , Haltet also diese Dinge auseinander, damit euer Geist im Glauben Christi voranschreite, damit ihr nicht immer Kinder seid, welche die Brüste suchen und die feste Speise verschmähen. Ihr müßt bei der heiligen Mutter, der Kirche Christi, ernährt und der Milch entwöhnt werden und zu festeren Speisen hinzutreten, mit dem Geiste, nicht mit dem Magen. Diesen Unterschied also müßt ihr festhalten, ein anderes sei das Licht, welches erleuchtet, ein anderes, welches erleuchtet wird. Denn auch unsere Augen werden Lichter genannt, und ein jeder schwört unter Berührung seiner Augen bei seinen Lichtern: So wahr meine Lichter leben, es ist eine gewöhnliche Art zu schwören. Nun diese Lichter, wenn es Lichter sind, mögen, falls kein Licht da ist in deinem verschlossenen Zimmer, offen sein, sie sollen dir leuchten; gewiß, sie können es nicht. Wie nun die Lichter, die wir im Gesichte haben und so nennen, auch wenn sie gesund sind, auch wenn sie offen sind, von außen her der Hilfe des Lichtes bedürfen, bei dessen Entfernung oder Abwesenheit sie trotz der Gesundheit, trotz des Offenseins nicht sehen: so wird auch unser Geist, der das Auge der Seele ist, wenn er nicht vom Lichte der Wahrheit bestrahlt und von dem, der erleuchtet, aber keine Erleuchtung nötig hat, wunderbar erhellt wird, weder zur Weisheit noch zur Gerechtigkeit gelangen können. Dies ist nämlich unser Weg, gerecht leben. Wie aber soll der auf dem Wege nicht anstoßen, dem kein Licht leuchtet? Und darum ist das Sehen auf dem Wege ein Bedürfnis, ist das Sehen auf dem Wege etwas Wichtiges. Denn Tobias hatte im Gesichte geschlossene Augen, und der Sohn bot dem Vater die Hand, der Vater zeigt dem Sohne den Weg durch Belehrung2

1: Joh 1,6.9.16
2: Tob 2,11f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger