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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
34. Vortrag

7.

Also „wer mir nachfolgt“, sagt er, „wandelt nicht im Finstern, sondern wird das Licht des Lebens haben“. Was er verhieß, drückte er durch ein Wort in der zukünftigen Zeit aus; denn er sagt nicht: er hat, sondern: „er wird das Licht des Lebens haben“. Er sagt jedoch nicht: Wer mir nachfolgen wird, sondern: „Wer mir nachfolgt“. Mit Bezug auf das, was wir tun müssen, gebraucht er die gegenwärtige Zeit; was er aber für diejenigen, die es tun, verhieß, deutete er durch ein Wort in der zukünftigen Zeit an. „Wer nachfolgt, wird haben“. Jetzt folgt er nach, später wird er haben; jetzt folgt er im Glauben nach, später wird er in der Anschauung haben. Denn „solange wir im Leibe sind“, sagt der Apostel, „pilgern wir fern vom Herrn; denn im Glauben wandeln wir, nicht im Schauen“1. Wann im Schauen? Wenn wir das Licht des Lebens haben werden, wenn wir zu jener Anschauung kommen werden, wenn diese Nacht vorübergegangen ist. Von jenem Tag nämlich, der aufgehen soll, heißt es: „Am Morgen werde ich vor dir stehen und aufschauen“2. Was heißt: „Am Morgen“. Wenn die Nacht dieser Welt vorüber ist, wenn die Zeiten der Versuchungen vorüber sind, wen jener Löwe besiegt ist, der nachts brüllend umhergeht, suchend, wen er verschlinge3. „Am Morgen werde ich vor dir stehen und aufschauen.“ Jetzt aber was glauben wir, meine Brüder, daß für die gegenwärtige Zeit paßt, als was wieder im Psalme gesagt wird: „Jede Nacht wasche ich mein Bett, mit Tränen benetze ich mein Lager“4. Jede Nacht, sagt er, weine ich, brenne ich vor [S. 529] Verlangen nach dem Lichte. Der Herr sieht mein Verlangen, denn ein anderer Psalm sagt zu ihm: „Vor Dir ist all mein Verlangen, und mein Seufzen ist vor Dir nicht verborgen“5. Du verlangst Gold? Da kann man dich sehen, denn wenn du Gold suchst, wirst du den Menschen nicht unbekannt bleiben. Du verlangst Getreide? Du erkundigst dich nach einem, der solches besitzt, diesem tust du es auch in dem Wunsche, das Verlangte zu erhalten, kund. Du verlangst nach Gott? Wer sieht es außer Gott? Denn von wem begehrst du Gott, wie Brot, wie Wasser, wie Gold, wie Silber, wie Getreide? Von wem begehrst du Gott außer von Gott? Der wird von ihm selbst erbeten, der sich selbst verheißt. Es möge die Seele ihr Verlangen ausdehnen und in weitgeöffnetem Schoße zu erfassen suchen, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist6. Man kann sich danach sehnen, danach verlangen, danach seufzen, würdig darüber denken und es mit Worten ausdrücken kann man nicht.

1: 2 Kor. 5, 6. 7.
2: Ps. 5, 5 [hebr. Ps. 5, 5].
3: 1 Petr. 5, 8.
4: Ps. 6, 7 [hebr. Ps. 6, 7].
5: Ps. 37, 10 [hebr. Ps. 38, 10].
6: 1 Kor. 2, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger