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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
34. Vortrag

4.

Wenn also, weil vielfach ist die Barmherzigkeit Gottes, durch ihn Menschen und Tiere Heil erlangen, haben dann die Menschen nicht etwas anderes, was ihnen Gott der Schöpfer verleiht, was er den Tieren nicht verleiht? Ist kein Unterschied zwischen dem nach dem Bilde Gottes geschaffenen Wesen und dem unter dem Bilde Gottes stehenden Wesen? Ja, gewiß; außer dem uns mit den unvernünftigen Tieren gemeinsamen Wohle gibt es etwas, was Gott uns verleihe, jenen aber nicht verleiht. Was ist dies? Lies weiter in demselben Psalm: „Die Menschenkinder aber werden unter dem Schutze Deiner Flügel hoffen“. Während sie jetzt das (zeitliche) Heil mit ihren Tieren gemeinsam haben, „werden die Menschenkinder unter dem Schutze Deiner Flügel hoffen“. Ein anderes Heil haben sie in Wirklichkeit, ein anderes in Hoffnung. Das Heil in der Gegenwart ist Menschen und Tieren gemeinsam, aber es gibt noch ein anderes, welches die Menschen hoffen, und erhalten werden es jene, welche hoffen, nicht erhalten jene, welche die Hoffnung aufgegeben haben. Denn, heißt es, „die Menschenkinder werden unter dem Schutze Deiner Flügel hoffen“. Die aber standhaft hoffen, werden von Dir beschützt, damit sie nicht vom Teufel von der Hoffnung abgebracht werden; „sie werden unter dem Schutze Deiner Flügel hoffen“. Wenn [S. 526] sie also hoffen, was hoffen sie, außer was die Tiere nicht haben werden? „Sie werden trunken werden von der Fülle Deines Hauses, und mit dem Strome der Wonne wirst Du sie tränken.“ Was für ein Wein ist es, von dem trunken zu werden löblich ist? Was für ein Wein ist es, der den Geist nicht verwirrt, sondern lenkt? Was für ein Wein ist es, der für immer wohl macht, der trunken, aber nicht unwohl macht? „Sie werden trunken werden.“ Wovon? „Von der Fülle Deines Hauses, und mit dem Strome der Wonne wirst Du sie tränken.“ Wie? „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens.“ Dieser Lebensquell wandelte auf Erden, er sagte: „Wer dürstet, komme zu mir“1. Siehe die Quelle. Aber wir hatten vom Lichte zu reden angefangen und behandelten die aus dem Evangelium vorgelegte Frage vom Lichte. Denn es wurde uns gelesen, was der Herr sagt: „Ich bin das Licht der Welt“. Daher die Frage, ob nicht etwa jemand in fleischlicher Auffassung darunter die Sonne verstehen zu müssen glaube; wir kamen dann zu dem Psalm, bei dessen Betrachtung wir inzwischen den Herrn als die Quelle des Lebens erkannten. Trinke und lebe.“Bei Dir“, heißt es, „ist die Quelle des Lebens“; darum „hoffen die Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel“ und verlangen von jener Quelle trunken zu werden. Doch wir sprachen ja vom Lichte. Fahre also weiter; denn nachdem der Prophet gesagt hatte: „Bei Dir ist die Quelle des Lebens“, fügte er noch hinzu: „In Deinem Lichte werden wir das Licht schauen“2; Gott von Gott, Licht vom Lichte. Durch dieses Licht ist das Sonnenlicht gemacht, und das Licht, welches die Sonne gemacht hat, unter welcher es auch uns gemacht hat, ist unter der Sonne unsertwegen erschienen3. Es ist, sage ich, unsertwegen unter der Sonne erschienen das Licht, welches die Sonne gemacht hat. Verachte nicht die Wolke des Fleisches; durch die Wolke wird es bedeckt, nicht damit es verdunkelt, sondern damit sein Glanz gemäßigt wird.

1: Joh. 7, 37.
2: Ps. 85, 8. 10 [hebr. Ps. 86, 8. 10].
3: Joh. 1, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger