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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
34. Vortrag

10.

Dies alles im Glauben, solange wir fern vom Herrn pilgern, im Leibe weilend; wenn wir aber den Weg zurückgelegt haben und in das Vaterland selbst gekommen sind, was wird freudiger sein als wir, was wird seliger sein als wir? Weil es ja nichts Friedlicheres geben wird, denn nichts wird gegen den Menschen sich auflehnen. Dermalen aber, Brüder, leben wir nur schwer ohne Streit. Zur Eintracht sind wir zwar berufen, wir sollen Frieden haben untereinander; danach sollen wir streben und mit allen Kräften darauf hinarbeiten, daß wir einmal zum vollendeten Frieden kommen; jetzt aber streiten wir häufig mit denen, für welche wir sorgen wollen. Da irrt einer, du willst ihn auf den Weg führen; er setzt dir Widerstand entgegen, du streitest. Es setzt dir Widerstand entgegen der Heide, du streitest gegen die Irrtümer der Götzen und Dämonen. Es setzt dir Widerstand entgegen der Häretiker, du streitest gegen andere Lehren der Dämonen. Ein schlechter Katholik will nicht rechtschaffen leben, du weisest auch deinen dir nahestehenden Bruder zurecht, er weilt bei dir im Hause und sucht verkehrte Wege; du bist in Sorge, wie du ihn besserst, um über ihn dem Herrn beider1 gute Rechenschaft abzulegen. Wie viele unvermeidliche Streitigkeiten auf allen Seiten! Sehr häufig sagt ein Mensch im Überdruß bei sich selbst: Warum soll ich die Widersacher ertragen, warum soll ich diejenigen ertragen, die Gutes mit Bösem vergelten? Ich will ihnen helfen, sie wollen zugrunde gehen; ich verzehre mein Leben mit Streiten; ich habe keinen Frieden; ich mache mit zudem noch zu Feinden diejenigen, die ich zu Freunden haben müßte, wenn sie auf die wohlwollende Gesinnung ihres Helfers Rücksicht nehmen würden; warum soll ich das leiden? Ich will mich auf mich zurückziehen, bei mir bleiben, meinen Gott anrufen. Ziehe dich auf dich selbst zurück, da findest du Streit. Was für einen Streit, sagst du, [S. 533] finde ich? Das Fleisch gelüstet wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch2. Siehe, du selbst bist es, siehe, du bist allein, siehe, du bist bei dir, siehe, du hast es mit keinem andern zu tun, aber du siehst ein anderes Gesetz in deinen Gliedern, das dem Gesetze deines Geistes widerstreitet und dich gefangen hält unter dem Gesetze der Sünde, das in deinen Gliedern ist. Rufe also aus und rufe von dem innern Streit zu Gott, damit er dir Frieden gibt: „Ich unglückseliger Mensch, wer wird mich befreien von dem Leibe dieses Todes? Die Gnade Gottes durch Jesus Christus unsern Herrn“3. Denn, sagt er: „Wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des Lebens haben“. Wenn der ganze Streit aus ist, wird die Unsterblichkeit folgen, denn „der letzte Feind, der Tod, wird vernichtet werden“4. Damit wir dorthin kommen, lasset uns, weil das Gesagte dann in Wirklichkeit sein wird, jetzt in Hoffnung dem nachfolgen, welcher gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des Lebens haben“.

1: d. h. deinem und seinem Herrn.
2: Gal. 5, 17.
3: Röm. 7, 23―25.
4: 1 Kor. 15, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger