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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
33. Vortrag

4.

Nunmehr gebt acht, wie von den Feinden die Sanftmut des Herrn versucht wurde. „Es brachten aber die Schriftgelehrten und Pharisäer ein Weib herbei, das im Ehebruch ertappt worden war, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, dieses Weib ist eben im Ehebruch ertappt worden. Im Gesetze aber hat uns Moses befohlen, eine solche zu steinigen; was sagst nun Du? Dies aber sagten sie, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten.“ Weshalb anklagen? Hatten sie etwa ihn selbst auf einer schlechten Tat ertappt, oder sollte jenes Weib zu ihm in irgendeiner Beziehung gestanden sein? Was heißt also: „Um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten“? Wir sehen, Brüder, an dem Herrn ragte eine wunderbare Sanftmut hervor. Sie bemerkten, daß er ungemein milde, ungemein sanftmütig sei; war ja von ihm vorausgesagt worden: „Umgürte mit Deinem Schwerte Deine Hüfte, Mächtigster; in Deiner Pracht und Schönheit ziehe aus, schreite glücklich fort und herrsche, um der Wahrheit willen und der Sanftmut und der Gerechtigkeit“1. Also er brachte Wahrheit als Lehrer, Sanftmut als Befreier, Gerechtigkeit als Richter. Um dessentwillen werde er herrschen, hatte im Heiligen Geiste der Prophet vorausgesagt2. Da er redete, wurde die Wahrheit erkannt, da er gegen die Feinde nicht zürnte, wurde die Sanftmut gepriesen. Während nun wegen dieser beiden Dinge, nämlich wegen seiner Wahrheit und Sanftmut, die Feinde von Neid und Mißgunst gequält wurden, legten sie im dritten d. i. in der Gerechtigkeit eine Falle. Inwiefern? Weil das Gesetz die Steinigung der Ehebrecher befohlen hatte, und gewiß, das Gesetz konnte nichts Ungerechtes befehlen. Würde jemand anders sagen, als das Gesetz befohlen hatte, so würde man ihn als [S. 517] einen Ungerechten fassen. Sie sagten also bei sich selbst: Er gilt für wahrhaft, er erscheint als sanft; bei der Gerechtigkeit muß man sich gegen ihn nach einer Schikane umsehen. Bringen wir ihm ein im Ehebruch ergriffenes Weib, sagen wir, was betreffs ihrer im Gesetze vorgeschrieben sei; wenn er ihre Steinigung befiehlt, dann wird er keine Sanftmut haben; wenn er für ihre Entlassung sich ausspricht, wird er die Gerechtigkeit nicht wahren. Um aber den Ruf der Sanftmut, sagen sie, nicht zu verlieren, durch die er bei den Leuten bereits beliebt geworden ist, wird er ohne Zweifel sagen, man solle sie gehen lassen. Damit finden wir einen Anlaß zur Anklage und erklären ihn der Gesetzesübertretung schuldig, indem wir zu ihm sagen: Du bist ein Feind des Gesetzes, Du entscheidest gegen Moses, ja gegen den, welcher durch Moses das Gesetz gegeben hat; Du bist des Todes schuldig, mit ihr mußt auch Du gesteinigt werden. Durch diese Worte und Urteile könnte der Neid entflammt, die Anklage provoziert, die Verdammung gefordert werden. Aber gegen wen das? Die Verkehrtheit gegen die Geradheit, die Falschheit gegen die Wahrheit, das verderbte Herz gegen das unschuldige Herz, die Torheit gegen die Weisheit. Wann könnten sie Schlingen bereiten, in die sie nicht zuerst selbst den Kopf brächten? Siehe, der Herr wird bei seiner Antwort sowohl die Gerechtigkeit wahren wie die Sanftmut betätigen. Der wurde nicht gefangen, dem die Schlinge gelegt war, sondern vielmehr gefangen wurden jene, welche sie legten, weil sie an den, der sie aus den Schlingen befreien konnte, nicht glaubten.

1: Ps. 44, 4. 5 [hebr. Ps. 45, 4. 5].
2: Is. 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger