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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
30. Vortrag

7.

Diesen Fehler, Brüder, den der Herr an unserer Stelle hervorgehoben hat, in dieser Welt zu vermeiden, ist eine schwere Sache, nämlich nicht nach dem Ansehen der Person zu richten, sondern ein gerechtes Gericht einzuhalten. Der Herr hat zwar die Juden gemahnt, aber er hat auch uns gemahnt; jene hat er überwiesen, uns hat er belehrt; jene hat er widerlegt, uns hat er aufgemuntert. Glauben wir nicht, es sei darum für uns nicht gesagt, weil wir damals nicht gegenwärtig waren. Es steht geschrieben, es wird gelesen, wir haben es beim Vorlesen gehört, aber als Mahnung an die Juden haben wir es gehört; vergessen wir nicht uns und schauen wir nicht gleichsam zu, wie er die Feinde tadelt, während wir selbst tun, was die Wahrheit an uns rügen müßte. Die Juden richteten zwar nach dem Ansehen der Person, aber darum gehören sie auch nicht zum Neuen Testamente, darum haben sie auch nicht in Christus das Himmelreich, darum sind sie auch nicht verbunden mit der Gesellschaft der heiligen Engel; sie begehrten Irdisches vom Herrn; denn das Land der Verheißung, Sieg über die Feinde, Fruchtbarkeit der Geburten, reiche Nachkommenschaft, Fülle der Früchte, was alles ihnen zwar von dem wahren und guten Gott, jedoch als Fleischlichen verheißen worden war, das alles bildete für sie das Alte Testament. Was ist das Alte Testament? Gleichsam die dem alten Menschen zugehörende Erbschaft. Wir sind erneuert worden, wir sind ein neuer Mensch geworden, weil auch jener als ein neuer Mensch kam. Was ist so neu als von einer Jungfrau geboren zu werden? Weil also nichts da war, was die Vorschrift an ihm hätte erneuern sollen, weil er keine Sünde hatte, so wurde eine neue Geburt gegeben. [S. 492] In jenem eine neue Geburt, in uns ein neuer Mensch. Was ist der neue Mensch? Der von dem alten Zustand erneuerte. Zu was erneuert? Zur Sehnsucht nach dem Himmlischen, zum Begehren des Ewigen, zum Verlangen nach dem Vaterland, das droben ist und keinen Feind zu fürchten hat, wo wir keinen Freund verlieren, keinen Feind fürchten müssen, wo wir in voller Zufriedenheit ohne jeden Mangel leben, wo niemand geboren wird, weil niemand stirbt, wo niemand zunimmt und niemand abnimmt, wo man nicht Hunger und Durst leidet, sondern Sättigung die Unsterblichkeit ist und Speise die Wahrheit. Da wir solche Verheißungen haben und zum Neuen Testamente gehören, da wir Erben der neuen Erbschaft geworden und Miterben des Herrn selbst sind, so haben wir eine ganz andere Hoffnung; richten wir nicht nach dem Ansehen der Person, sondern üben wir ein gerechtes Gericht.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger