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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
30. Vortrag

6.

„Richtet nicht nach der Person, sondern übet ein gerechtes Gericht.“ Was heißt dies? Ihr, die ihr jetzt nach dem Gesetze des Moses am Sabbat beschneidet, zürnet dem Moses nicht; und weil am Sabbat ich einen Menschen gesund gemacht habe, mir zürnet ihr. Ihr richtet nach der Person, achtet auf die Wahrheit. Ich ziehe mich dem Moses nicht vor, sagt der Herr, der auch der Herr des Moses war. Betrachtet uns wie zwei Menschen, beide wie Menschen; richtet zwischen uns, aber übet ein gerechtes Gericht; verdammet nicht jenen, indem ihr mich ehret, sondern ehret mich, indem ihr jenen zu verstehen suchet. Denn dies hat er zu ihnen an einer andern Stelle gesagt: „Wenn ihr dem Moses glaubtet, würdet ihr gewiß auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben“1. Aber an dieser Stelle wollte er das nicht sagen, indem er sich und Moses gleichsam vor sie hinstellte. Wegen des Gesetzes des Moses nehmt ihr die Beschneidung vor, auch wenn ein Sabbat einfällt, und ich soll nach eurem Verlangen die Wohltat der Vornahme von Heilungen am Sabbat nicht erweisen? Weil der Herr der Beschneidung und der Herr des Sabbats der Urheber der Gesundheit ist, so sündigt ihr nicht, obwohl euch verboten ist, am Sabbat knechtliche Arbeiten zu verrichten, wenn ihr die knechtlichen Arbeiten richtig verstehet. Denn wer Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde2. Ist es etwa eine knechtliche Arbeit, einen Menschen am Sabbat zu heilen? Ihr esset und trinket (um etwas zu sagen aus der Mahnung unseres Herrn Jesu Christi und aus seinen Worten); freilich warum esset und trinket ihr am Sabbat, als weil das, was ihr tut, zur Gesundheit dient? Dadurch zeiget ihr, daß die Werke der Gesundheit am Sabbat keineswegs zu [S. 491] unterlassen sind. Also „richtet nicht nach der Person, sondern übet ein gerechtes Gericht“. Betrachtet mich wie einen Menschen, betrachtet Moses wie einen Menschen; wenn ihr nach der Wahrheit richtet, so werdet ihr weder Moses noch mich verurteilen, und habt ihr die Wahrheit einmal erkannt, so werdet ihr mich erkennen, denn „ich bin die Wahrheit“3.

1: Joh. 5, 46.
2: Joh. 8, 34.
3: Joh. 14, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger