Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
30. Vortrag

5.

Vielleicht nämlich sinnbildete jene Beschneidung den Herrn selbst, dem sie, als er heilte und gesund machte, zürnten. Denn die Beschneidung mußte am achten Tage vorgenommen werden, und was ist die [S. 489] Beschneidung als eben eine Entfernung von Fleisch? Also bedeutet jene Beschneidung die Entfernung der fleischlichen Begierden aus dem Herzen. Sie wurde somit nicht ohne Grund gegeben und deren Vornahme an jenem Gliede befohlen, denn durch jenes Glied wird das Geschlecht der Sterblichen fortgepflanzt. Und durch einen Menschen ist der Tod, wie durch einen Menschen die Auferstehung der Toten1, und durch einen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod2. Darum wird jeder mit der Vorhaut geboren, weil jeder Mensch mit der Sünde der Fortpflanzung geboren wird, und Gott reinigt nicht von der Sünde, mit welcher wir geboren werden, noch auch von den Sünden, die wir durch ein schlechtes Leben hinzufügen, als nur durch das steinerne Messer, den Herrn Christus. Denn der Stein (Fels) war Christus3. Sie beschnitten nämlich mit steinernen Messern, und durch den Namen des Steines bildeten sie Christus vorher; und den gegenwärtigen anerkannten sie nicht, sondern trachteten überdies, ihn zu töten. Warum aber am achten Tage, außer weil der Herr nach dem siebenten Tage, dem Sabbat, am Tage des Herrn auferstand? Also die Auferstehung Christi, welche zwar am dritten Leidenstage, aber am achten Tage unter den Wochentagen stattfand, diese beschneidet uns. Denke dabei an die mit dem wahren Steine Beschnittenen, indem der Apostel mahnt: „Wenn ihr also mit Christus auferstanden seid, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten des Vaters sitzt; was droben ist, schmecket, nicht was auf der Erde ist“4. Zu den Beschnittenen sagt er: Christus ist auferstanden, er nahm von euch weg die fleischlichen Begierden, er nahm weg die bösen Gelüste, er nahm weg das Überflüssige, womit ihr geboren waret, und das noch viel Schlimmere, was ihr durch ein schlechtes Leben hinzugefügt hattet; beschnitten durch den Stein, was schmecket ihr noch Erde? Und zuletzt, darin, daß [S. 490] Moses das Gesetz gab und ihr die Menschen am Sabbat beschneidet, sollt ihr einen Hinweis auf das gute Werk erkennen, daß ich nämlich den ganzen Menschen am Sabbat gesund gemacht habe; denn er wurde geheilt, um gesund zu sein am Leibe, wie er auch gläubig wurde, um gesund zu sein an der Seele.

1: 1 Kor. 15, 21.
2: Röm. 5, 12.
3: 1 Kor. 10, 4.
4: Kol. 3, 1. 2.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 22. Vortrag.
. 23. Vortrag.
. 24. Vortrag.
. 25. Vortrag.
. 26. Vortrag.
. 27. Vortrag.
. 28. Vortrag.
. 29. Vortrag.
. 30. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. 31. Vortrag
. 32. Vortrag
. 33. Vortrag
. 34. Vortrag
. 35. Vortrag
. 36. Vortrag
. 37. Vortrag
. 38. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger