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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
30. Vortrag

3.

Der Herr aber, durchaus nicht verwirrt, sondern in der Wahrheit feststehend, vergalt nicht Böses mit Bösem noch Schmähung mit Schmähung1. Hätte er zu ihnen gesagt: Ihr habt den Teufel, so hätte er wahrlich recht gehabt. Denn sie hätten nicht solches zur Wahrheit gesagt, würde sie nicht die Lügenhaftigkeit des Teufels dazu angetrieben haben. Was also antwortete er? Hören wir ruhig und trinken wir Ruhe2: „Ein Werk habe ich getan, und ihr alle wundert euch“. Als wollte er sagen: Was erst, wenn ihr alle meine Werke sehen würdet? Denn seine Werke waren es, die sie in der Welt sahen, und ihn, der alle gemacht hat, sahen sie nicht; er tat eines, und sie wurden verwirrt, weil er einen Menschen am Sabbat gesund machte. Als ob, wenn irgendein Kranker von selbst am Sabbat gesund würde, ein anderer ihn gesund gemacht hätte als jener, der sie ärgerte, weil er einen Menschen am Sabbat gesund machte. Denn welcher andere machte die anderen [S. 487] gesund als das Heil selbst, er, der jene Gesundheit, die er diesem Menschen gab, auch den Tieren gibt? Es war ja körperliche Gesundheit. Die Gesundheit des Fleisches wird sowohl hergestellt wie sie auch vergeht, und wenn sie hergestellt wird, wird der Tod hinausgeschoben, nicht aufgehoben. Doch, Brüder, auch diese Gesundheit ist vom Herrn, durch wen immer sie gegeben wird; durch wessen Hilfe und Dienstleistung auch immer sie erteilt wird, sie wird von dem gegeben, von welchem alles Heil ist, zu dem im Psalme gesagt wird: „Menschen und Tiere machst Du heil, o Herr, wie Du Deine Barmherzigkeit vervielfältigt hast, o Gott“3. Denn weil Du Gott bist, erstreckt sich Deine reichliche Barmherzigkeit auch auf die Gesundheit des menschlichen Fleisches, erstreckt sie sich auch auf die Gesundheit der vernunftlosen Tiere. Allein der Du die Gesundheit des Fleisches Menschen und Tieren gemeinsam gibst, gibt es keine Gesundheit, welche Du den Menschen vorbehältst? In der Tat es gibt noch eine andere, welche nicht bloß den Menschen und Tieren gemeinsam ist, sondern die nicht einmal den Guten und Bösen zugleich zukommt. Schließlich nachdem er dort von jener Gesundheit gesprochen hatte, welche Tiere und Menschen gemeinsam empfangen, fügte er wegen jener Gesundheit, welche die Menschen erhoffen sollen, jedoch nur die guten Menschen, noch weiter hinzu: „Die Menschenkinder aber werden unter dem Schutze Deiner Flügel hoffen; sie werden trunken werden von der Fülle Deines Hauses, und mit dem Strome Deiner Wonne wirst Du sie tränken; denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in Deinem Lichte werden sie das Licht schauen“4. Das ist die Gesundheit, die sich auf die Guten bezieht, die er Menschenkinder nannte, während er vorher gesagt hatte: „Menschen und Tiere wirst Du heil machen, o Herr“. Wie denn? Waren jene Menschen keine Menschenkinder, so daß er nach dem Worte „Menschen“ fortfuhr und sagte: „Die Menschenkinder aber“, als wären etwas anderes „die Menschen“ und etwas anderes „die [S. 488] Menschenkinder“? Ich glaube jedoch nicht, daß der Heilige Geist dies ohne Andeutung eines Unterschiedes gesagt habe. „Menschen“ geht auf den ersten Adam, „Menschenkinder“ auf Christus5. Vielleicht nämlich gehören „die Menschen“ zum ersten Menschen, „die Menschenkinder“ zum Menschensohne.

1: 1 Petr. 3, 9.
2: Tranquillum, ruhiges oder stilles Wasser.
3: Ps. 35, 7 [hebr. Ps. 36, 7].
4: Ps. 35, 8―10 [hebr. Ps. 36, 8―10].
5: Hurter bemerkt dazu: Haec redundare videntur.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger