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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
29. Vortrag.

8.

„Wer von sich selbst redet, sucht die eigene Ehre.“ So wird jener sein, welcher der Antichrist genannt wird, „der sich“, wie der Apostel sagt, „erhebt über alles, was Gott genannt wird und als Gott verehrt wird“1. Indem nämlich der Herr diesen ankündete als einen solchen, der seine Ehre suchen wird, sprach er zu den Juden: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ein anderer wird in seinem Namen kommen, den werdet ihr aufnehmen“2. Er deutete an, daß sie den Antichrist aufnehmen würden, der die Ehre seines Namens suchen wird, der sich aufbläht, nicht fest ist und darum nicht standhält, sondern sicher zusammenbricht. Unser Herr Jesus Christus aber gab uns ein großes Beispiel der Demut: er ist doch dem Vater gleich; er war doch „im Anfang das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“; er hat doch selbst gesagt und hat mit voller Wahrheit gesagt: „Solange bin ich bei euch, und ihr habt mich nicht erkannt? Philippus, wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“3; er hat doch selbst gesagt und mit voller Wahrheit gesagt: „Ich und der Vater sind eins“4. Wenn nun der, welcher mit dem Vater eins, dem Vater gleich ist, der Gott von Gott, Gott bei Gott, gleichewig, unsterblich, ebenso unveränderlich, ebenso zeitlos, ebenso Schöpfer und Ordner der Zeiten ist, dennoch, weil er in der Zeit kam und die Knechtsgestalt annahm und im Äußern erfunden ward wie ein Mensch5, die Ehre des Vaters sucht, nicht die eigene: was sollst dann du, o Mensch, tun, der du, wenn du etwas Gutes tust, deine Ehre suchst, wenn du aber etwas Böses tust, Gott gegenüber auf Ränke denkst? Schau auf dich; ein Geschöpf bist du, anerkenne den [S. 484] Schöpfer; ein Knecht bist du, verachte nicht den Herrn; als Kind Gottes bist du angenommen, aber nicht wegen deiner Verdienste; suche als ein an Kindes Statt angenommener Mensch die Ehre dessen, von dem du diese Gnade hast, dessen Ehre derjenige gesucht hat, der sein Eingeborener ist. „Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, ist wahrhaft und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.“ Im Antichrist aber ist Ungerechtigkeit, und er ist nicht wahrhaft, weil er seine Ehre suchen wird, nicht die Ehre dessen, von dem er gesandt ist; denn er ist nicht gesandt, sondern sein Erscheinen ist bloß zugelassen. Wir alle also, die wir zum Leibe Christi gehören, wollen, damit wir nicht in die Schlingen des Antichrist fallen, nicht unsere eigene Ehre suchen. Wenn er die Ehre dessen gesucht hat, der ihn gesandt hat, um wieviel mehr müssen wir die Ehre dessen suchen, der uns erschaffen hat?

1: 2 Thess. 2, 4.
2: Joh. 5, 43.
3: Joh. 14, 9.
4: Joh. 10, 30.
5: Phil. 2, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger