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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
29. Vortrag.

4.

Das Wort also ist sowohl Gott als auch das Wort einer unwandelbaren, nicht in Silben erklingenden und vergehenden, sondern zugleich mit dem Vater bleibenden Lehre, zu der als einer bleibenden wir uns hinwenden sollen, gemahnt durch die verhallenden Töne. Denn nicht so mahnt uns das, was vergeht, daß es uns zum Vergänglichen ruft. Wir werden gemahnt, Gott zu lieben. All das, was ich gesagt habe, waren Silben; sie haben die Luft getroffen und erschüttert, um zum Sinne eurer Ohren zu gelangen, sie sind verklungen und vergangen; nicht jedoch darf das, wozu ich euch ermahnt habe, vergehen, weil der, den ich euch zu lieben ermahnt habe, nicht vergeht, und wenn ihr, durch vergehende Silben ermahnt, euch zu ihm bekehrt, so werdet auch ihr nicht vergehen, sondern mit dem Bleibenden bestehen. Dies also ist in der Lehre groß, hoch und ewig, was bleibt; dahin ruft alles, was zeitlich vergeht, wenn es ein richtiges Zeichen ist und nicht lügenhaft vorgebracht wird. Denn alle Zeichen, die wir durch Töne ausdrücken, bezeichnen etwas, was nicht der Ton ist. Denn nicht eine kurze Silbe ist Gott1, und nicht eine kurze Silbe verehren wir, und nicht eine kurze Silbe beten wir an, und nicht zu einer kurzen Silbe verlangen wir zu kommen, die beinahe schon aufhört zu tönen, ehe sie anfängt2. Es bleibt also etwas Großes, was Gott heißt, obwohl der Ton nicht bleibt, wenn Gott ausgesprochen wird. So habet acht auf die Lehre Christi, und ihr werdet zum Worte Gottes gelangen; wenn ihr aber [S. 480] zum Worte Gottes gelangt seid, so beachtet: „Gott war das Wort“, und ihr werdet sehen, daß mit Recht gesagt ist: „Meine Lehre“; erwäget auch, wessen das Wort ist, und ihr werdet sehen, daß zutreffend gesagt ist: „nicht die meine“.

1: Im lateinischen Text: non enim duae breves syllabae Deus est, weil Deus aus zwei Silben besteht.
2: Hier folgt noch: nec in eis secundae (sc. syllabae) locus est, nisi prima transierit.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger