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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
28. Vortrag.

7.

Was ist aber jetzt denen nötig, welche die Gerechtigkeit haben? Was in demselben Psalme zu lesen ist: „Bis die Gerechtigkeit ins Gericht sich wendet, und die sie haben, sind alle geraden Herzens“. Ihr fragt vielleicht: Welche sind geraden Herzens? Jene finden wir in der Schrift als Herzensgerade, welche die Übel der [S. 471] Welt ertragen und Gott nicht anklagen. Sehet, Brüder, ein seltener Vogel ist es, von dem ich rede. Denn, ich weiß nicht wie, sofort, wenn dem Menschen etwas Böses zustößt, klagt er Gott an, der sein Schuldner sei. Wenn du etwas Gutes tust, lobst du dich selbst; wenn du etwas Böses erleidest, klagst du Gott an. Das ist also ein verkehrtes Herz, kein gerades. Wenn du dich von dieser Verkehrtheit und Schlechtigkeit bekehrst, so wird sich ins Gegenteil kehren, was du tatest. Denn was tatest du vorher? Du lobtest dich bei den Wohltaten Gottes, du klagtest Gott an in deinen Leiden; wenn das Herz bekehrt und gerade geworden ist, wirst du Gott bei seinen Wohltaten loben, dich in deinen Leiden anklagen. Dies sind die, so geraden Herzens sind. Kurz, der noch nicht geraden Herzens ist, dem die Glückseligkeit der Bösen und das Leiden der Guten mißfiel, sagt nach seiner Bekehrung: „Wie gut ist Gott gegen Israel, gegen jene, die geraden Herzens sind. Meine Füße aber wankten beinahe“, da ich nicht geraden Herzens war, „fast glitten meine Schritte aus“. Warum? „Weil ich mich ereiferte gegen die Sünder, da ich den Frieden der Sünder sah“1. Ich sah, sagt er, die Bösen glücklich, und es mißfiel mir Gott; denn ich wollte, Gott solle nicht zulassen, daß die Bösen glücklich sind. Es verstehe der Mensch: Gott läßt dies nie zu, sondern deshalb wird der Böse für glücklich gehalten, weil man über die Glückseligkeit in Unwissenheit ist. Seien wir also geraden Herzens, die Zeit unserer Ehre ist noch nicht gekommen. Man sage den Liebhabern dieser Welt, dergleichen die Brüder des Herrn waren: „Eure Zeit ist immer bereit, unsere Zeit ist noch nicht gekommen“. Denn auch wir sollen den Mut haben, dies zu sagen. Und weil wir der Leib unseres Herrn Jesu Christi sind, weil wir seine Glieder sind, weil wir unser Haupt mit Freude anerkennen, so wollen wir ohne weiteres sprechen: Auch unsertwegen hat er dies zu sagen sich gewürdigt. Wenn uns die Liebhaber dieser Welt schmähen, so wollen wir zu ihnen sagen: „Eure Zeit ist immer bereit; unsere Zeit ist noch nicht gekommen“. Zu uns sprach ja der Apostel: „Denn ihr [S. 472] seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott“. Wann wird unsere Zeit kommen? „Wenn Christus“, sagt er, „euer Leben, erscheinen wird, dann werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit“2.

1: Ps. 72, 1―3 [hebr. Ps. 73, 1―3].
2: Kol. 3, 3. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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