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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
28. Vortrag.

6.

Also auch hier: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen, eure Zeit aber“, d. i. die Ehre der Welt, „ist immer bereit“. Das ist die Zeit, von welcher in der Prophetie Christus, d. i. der Leib Christi, spricht: „Wenn ich ergreifen werde die Zeit, werde ich in Gerechtigkeit richten“1. Denn jetzt ist nicht die Zeit zu richten, sondern die Zeit, die Ungerechten zu ertragen. So trage also jetzt der Leib Christi und erdulde die Ungerechtigkeit derer, die ein schlechtes Leben führen. Er habe jedoch jetzt die Gerechtigkeit, bevor er das Gericht hat; denn durch Gerechtigkeit wird er zum Gerichte gelangen. Was sagt nämlich die Heilige Schrift im Psalme zu den die Ungerechtigkeit dieser Welt ertragenden Gliedern? „Der Herr wird sein Volk nicht verstoßen.“ Es leidet ja sein Volk unter Unwürdigen, unter Ungerechten, unter Schmähsüchtigen, unter Unzufriedenen, Verleumdern, Verfolgern und, wenn es angeht, unter Totschlägern. Sein Volk leidet zwar, aber „der Herr [S. 470] wird sein Volk nicht verstoßen und sein Erbe nicht verlassen, bis die Gerechtigkeit ins Gericht sich wendet“2. „Bis die Gerechtigkeit“, die jetzt in seinen Heiligen ist, „sich ins Gericht wendet“, da sich erfüllen wird, was zu ihnen gesagt wurde: „Ihr werdet auf zwölf Stühlen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels“3. Es hatte der Apostel die Gerechtigkeit, aber noch nicht jenes Gericht, von dem er sagt: „Wisset ihr nicht, daß wir die Engel richten werden?“4. Jetzt also sei die Zeit, gerecht zu leben, hernach wird die Zeit kommen, diejenigen, die schlecht gelebt haben, zu richten. „Bis die Gerechtigkeit“, heißt es, „ins Gericht sich wendet“. Dies wird die Zeit des Gerichtes sein, von dem der Herr eben gesagt hat: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen“. Denn es wird die Zeit der Ehre sein, so daß der, welcher in Niedrigkeit kam, in Hoheit kommen wird. Der kam, um sich richten zu lassen, wird kommen, um zu richten; der kam, um von den Toten getötet zu werden, wird kommen, um über Lebendige und Tote Gericht zu halten. „Gott“, sagt der Psalmist, „wird sichtbar kommen, unser Gott, und er wird nicht schweigen“5. Was heißt: „Er wird sichtbar kommen“? Sofern er einst verborgen kam. Dann wird er nicht schweigen; denn als er verborgen kam, wurde er wie ein Lamm zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm vor seinem Scherer tat er seinen Mund nicht auf“6. Er wird kommen und nicht schweigen. „Ich schwieg“, heißt es, „werde ich etwa immer schweigen“7?

1: Ps. 74, 3 [hebr. Ps. 75, 3].
2: Ps. 93, 14. 15 [hebr. Ps. 94, 14. 15].
3: Matth. 19, 28.
4: 1 Kor. 6, 3.
5: Ps. 49, 3 [hebr. Ps. 50, 3].
6: Is. 53, 7.
7: Is. 42, 14; nach LXX.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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