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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
28. Vortrag.

5.

Was erwiderte hierauf der Herr? „Jesus nun spricht zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht gekommen, eure Zeit aber ist immer bereit“. Was heißt dies? War die Zeit Christi noch nicht gekommen? Warum war also Christus gekommen, wenn seine Zeit noch nicht gekommen war? Haben wir den Apostel nicht sagen hören: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn“1? Wenn er also in der Fülle der Zeit gesandt wurde, wenn er gesandt wurde, da er gesandt werden mußte, wenn er kam, da er gesandt werden sollte, was heißt das: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen“? Erwäget, Brüder, in welcher Absicht jene redeten, die gleichsam auf ihren Bruder einzureden schienen. Sie gaben ihm den Rat, wie er sich Ruhm erwerben könnte, indem sie ihm gleichsam auf weltliche Weise und in irdischem Streben zuredeten, er solle nicht unbekannt und verborgen bleiben. Wenn also der Herr sagt: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, so antwortete er denen, die ihm einen Rat [S. 469] betreffs der Ehre gaben: Die Zeit meiner Ehre ist noch nicht gekommen. Sehet, wie tief das ist: zur Ehre ermuntern sie ihn, aber er wollte in Niedrigkeit der Höhe vorangehen und durch Niedrigkeit zur Höhe den Weg bahnen. Denn auch jene Jünger suchten sicherlich die Ehre, welche, der eine zu seiner Rechten, der andere zur Linken sitzen wollten; sie richteten ihr Augenmerk wohl auf das Ziel, aber nicht auf den Weg; der Herr rief sie, damit sie in geordneter Weise ins Vaterland kämen, auf den Weg zurück. Denn hoch liegt das Vaterland, niedrig ist der Weg dahin. Das Vaterland ist das Leben Christi, der Weg ist der Tod Christi; das Vaterland ist die bleibende Wohnung Christi, der Weg ist das Leiden Christi. Wer den Weg verschmäht, was sucht der das Vaterland? Schließlich gab er auch jenen, welche so Hohes anstrebten, zur Antwort: „Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde“2? Sehet den Weg, auf dem man zur Höhe gelangt, nach der ihr verlangt. Auf den Kelch der Erniedrigung und des Leidens wies er nämlich hin.

1: Gal. 4, 4.
2: Matth. 20, 21. 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger