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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
27. Vortrag.

5.

[S. 456] Was heißt nun das, was er hinzufügt: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts“? Sagen wir zu ihm (er erträgt uns ja, die wir nicht widersprechen, sondern lernen möchten): O Herr, guter Meister, wie „nützt das Fleisch nichts“, da Du doch selbst gesagt hast: „Wer mein Fleisch nicht ißt und mein Blut nicht trinkt, der wird das Leben nicht in sich haben“? Oder nützt etwa das Leben nichts? Und weshalb sind wir, was wir sind, außer um das ewige Leben zu haben, das Du durch Dein Fleisch verheißest? Was heißt es also: „Das Fleisch nützt nichts“? Es nützt nichts, aber in dem Sinne, wie es jene verstanden; sie verstanden nämlich das Fleisch so, wie es bei einem toten Leibe zerschnitten oder in der Fleischbank verkauft wird, nicht wie es durch den Geist belebt wird. Folglich heißt es so: „Das Fleisch nützt nichts“, wie es heißt: „Die Wissenschaft bläht auf“. Sollen wir nun darum die Wissenschaft hassen? Das sei ferne. Und was heißt dann: „Die Wissenschaft bläht auf“? Die Wissenschaft für sich allein, ohne die Liebe. Darum fügte er bei: „Die Liebe aber erbaut“1. Füge also zur Wissenschaft die Liebe, und die Wissenschaft wird nützlich sein, nicht durch sich allein, sondern durch die Liebe. So auch jetzt: „Das Fleisch nützt nichts“, aber das Fleisch für sich allein, es trete der Geist zum Fleische hinzu, wie die Liebe zur Wissenschaft hinzukommt, und es nützt sehr viel. Denn wenn das Fleisch nichts nützte, so würde das Wort nicht Fleisch werden, um in uns zu wohnen. Wenn uns Christus durch das Fleisch viel nützte, wie soll das Fleisch nichts nützen? Aber durch das Fleisch hat der Geist etwas für unser Heil getan. Das Fleisch war das Gefäß; was es in sich schloß, beachte, nicht was es war. Die Apostel wurden gesandt; hat uns etwa ihr Fleisch nichts genützt? Wenn uns das Fleisch der Apostel nützte, konnte dann das Fleisch des Herrn ohne Nutzen sein? Wie kommt denn der Klang des Wortes zu uns als durch die Stimme des Fleisches? Wie entsteht das Schreiben, die Schrift? Dies alles sind Werke des Fleisches, aber so, daß der Geist gleichsam [S. 457] sein Werkzeug in Tätigkeit setzt. Also „der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch aber nützt nichts“, wie jene das Fleisch verstanden, nicht wie ich mein Fleisch zu essen gebe.

1: 1 Kor. 8, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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