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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
V. Kapitel

22.

1. Wer sollte aber einen höheren Adel besitzen als der, dessen Vater Gott allein ist? Nun wollen wir auch noch Platon anführen, der dieselben Lehren vorbringt. Reich hat er den Weisen im Phaidros genannt, wenn er sagte: "O lieber Pan und alle ihr anderen Götter hier, gewährt mir, daß ich schön werde im Inneren und daß, was ich an äußerem Besitz habe, meinem Inneren entspreche! Für reich aber möge ich den Weisen halten!"1

2. Der Gastfreund aus Athen aber tadelt diejenigen, die für reich die Leute halten, die viel Geld besitzen, und sagt folgendes: "Überaus reich zu sein und zugleich gut, ist unmöglich, wenigstens reich in dem Sinn, wie es die Menge auffaßt; sie bezeichnet nämlich damit die Leute, die Besitztümer von sehr hohem Geldwert wie wenig andere Menschen zu eigen haben, Güter, die auch ein lasterhafter Mensch besitzen kann."2

3. "Dem Gläubigen gehört alles, was es auf der Welt an Besitztümern gibt", sagt Salomon, "dem Ungläubigen aber nicht einmal ein Obolos."3 Noch viel mehr muß man also der Schrift glauben, die sagt, daß schneller "ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgehen werde", als daß ein Reicher nach Weisheit strebe.4

4. Andererseits preist sie die Armen glückselig,5 was Platon richtig verstanden hat, wenn er sagt: "Für Verarmung darf man nicht die Verminderung des Vermögens, sondern die Zunahme der Unersättlichkeit halten;"6 denn es ist nie der Mangel an Besitz, sondern die Unersättlichkeit, was beseitigt werden muß, wenn der Gute auch reich sein soll. 5. Im [S. 166] "Alkibiades" aber nennt Platon das Laster etwas "Sklavisches", die Tugend aber "etwas, das eines Freigeborenen würdig" ist.7 "Legt von euch", so heißt es, "das schwere Joch ab und nehmt das sanfte auf!" So sagt die Schrift,8 und auch die Dichter reden von einem "Skavenjoch".9 Und das Wort "Ihr wurdet unter die Herrschaft eurer Sünden verkauft"10 stimmt mit dem Vorhergehenden überein.

6. "Jeder, der Sünde tut, ist ein Sklave, der Sklave bleibt aber nicht für alle Zeit im Hause. Wenn aber der Sohn euch frei macht, so werdet ihr frei sein; und die Wahrheit wird euch frei machen."11

7. Daß ferner der Weise schön ist, das sagt der Gastfreund von Athen mit folgenden Worten: "Wenn daher jemand behauptete, die Gerechten seien, auch wenn sie zufällig körperlich häßlich wären, wegen ihres überaus gerechten Wesens nach dieser Hinsicht sehr schön, so würde damit, meine ich, keiner etwas Irriges sagen."12

8. Und "seine Erscheinung war weniger schön als die aller Menschenkinder",13 sagte die Weissagung. Und König hat Platon den Weisen im "Staatsmann" genannt;14 und die Stelle ist oben angeführt.15

1: Platon, Phaidros p. 279 BC.
2: Ebd. Gesetze V p. 742 E.
3: Spr 17,6a.
4: Vgl. Lk 18,25; Mt 19,24; Mk 10,25.
5: Vgl. Lk 6,20; Mt 5,3.
6: Vgl. Platon, Gesetze V p. 736 E.
7: Vgl. Platon, Alkibiades pr. p. 135 C.
8: Vgl. Mt 11,29 f.
9: Vgl. Aischylos, Sieben geg. Theben 75; Perser 50 (Platon, Gesetze VI p. 770 E); Herodotos 7,8 III; Protr. 35,1.
10: Vgl. Röm 7,14; Strom. II 144,4.
11: Joh 8,34-36.32.
12: Platon, Gesetze IX p. 859 DE.
13: Jes 53,3.
14: Platon, Staatsmann p. 259 AB.
15: Vgl. Strom. II 18,2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger