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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
26. Vortrag.

5.

Was heißt es aber: „Wen der Vater zieht“, da doch Christus selbst zieht? Was wollte er, daß er sagte: „Wen der Vater zieht“? Wenn wir gezogen werden sollen, dann mögen wir von dem gezogen werden, zu dem die Liebende spricht: „Dem Dufte Deiner Salben nach werden wir laufen“1. Doch was er damit verstanden wissen wollte, wollen wir betrachten, Brüder, und, soviel wir vermögen, erfassen. Es zieht der Vater zum Sohne diejenigen, welche deshalb an den Sohn glauben, weil sie dafür halten, daß er Gott zum Vater habe; denn Gott der Vater hat einen sich gleichen Sohn gezeugt, so daß, wer dafür hält und in seinem Glauben annimmt und bedenkt, gleich mit dem Vater sei der, an den er glaubt, diesen der Vater zum Sohne zieht. Arius hielt ihn für ein Geschöpf, ihn hat der Vater nicht gezogen, denn der achtet den Vater nicht, der den Sohn nicht für gleich hält. Was sagst du, Arius? Was sprichst du, Häretiker? Was ist Christus? Er ist, sagt er, nicht wahrer Gott, sondern ein Geschöpf des wahren Gottes. [S. 441] Dich hat der Vater nicht gezogen, denn du hast nicht als Vater den erkannt, dessen Sohn du leugnest; du hast eine andere Meinung: er ist nicht der Sohn; du wirst weder vom Vater gezogen, noch wirst du zum Sohne gezogen; denn etwas anderes ist der Sohn, und etwas anderes, was du sagst. Photinus behauptete: Christus ist nur Mensch, er ist nicht Gott. Wer so glaubt, den hat der Vater nicht gezogen. Den der Vater zog, sagte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Nicht wie ein Prophet, nicht wie Johannes, nicht wie ein großer Gerechter, sondern wie der einzige, wie der gleiche „bist Du Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“. Siehe, daß er gezogen wurde und vom Vater gezogen wurde: „Selig bist du Simon, Sohn des Jonas, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist“2. Diese Offenbarung ist die Anziehung. Dem Schafe zeigst du einen grünen Zweig und ziehst es an. Dem Knaben zeigt man Nüsse und zieht ihn an, und wohin er läuft, davon wird er angezogen, durch Liebe wird er angezogen, ohne eine Verletzung des Körpers wird er angezogen, durch ein Band des Herzens wird er angezogen. Wenn nun diese Dinge, welche unter den irdischen Genüssen und Ergötzlichkeiten den Liebenden gezeigt werden, anziehen, da es wahr ist: „Jeden zieht seine Lust an“, sollte dann der vom Vater geoffenbarte Christus nicht anziehen? Denn nach was verlangt die Seele in höherem Grade als nach der Wahrheit? Wohin muß sie einen gierigen Schlund richten, warum wünschen, daß der Gaumen drinnen zur Beurteilung des Wahren gesund sei, als eben um Weisheit, Gerechtigkeit, Wahrheit, Ewigkeit zu essen und zu trinken?

1: Hoh. Lied 1, 3.
2: Matth. 16, 16. 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger