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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
26. Vortrag.

2.

Was also erwiderte Jesus diesen Murrenden? „Murret nicht untereinander.“ Als wollte er sagen: Ich weiß, warum ihr keinen Hunger habt und jenes Brot nicht verstehet noch suchet. „Murret nicht untereinander, niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Ein bedeutsamer Hinweis auf die Gnade! Niemand kommt, außer er wird gezogen. Wen er zieht und wen er nicht zieht, warum er den einen zieht und den andern nicht zieht, darüber sollst du kein Urteil fällen wollen, wenn du nicht abirren willst. Ein für allemal vernimm und verstehe: du wirst noch nicht gezogen. Bete, damit du [S. 438] gezogen werdest. Was sagen wir da, Brüder? Wenn wir zu Christus gezogen werden, dann glauben wir also wider Willen? Also wird Gewalt angewendet, nicht der Wille angeregt? In die Kirche gehen kann jemand wider Willen, an den Altar treten kann er wider Willen, das Sakrament empfangen kann er wider Willen, glauben kann er nur, wenn er will. Wenn man mit dem Körper glauben würde, käme der Glaube auch bei Widerstrebenden zustande, aber mit dem Körper glaubt man nicht. Höre den Apostel: „Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit“. Und was folgt? „Mit dem Munde aber geschieht das Bekenntnis zum Heile“1. Von der Wurzel des Herzens steigt das Bekenntnis empor. Bisweilen hörst du einen, der bekennt, und du weiß nicht, ob er glaubt. Aber auch den darfst du nicht Bekenner nennen, von dem du das Urteil hast, daß er nicht glaubt. Denn bekennen, heißt sagen, was man im Herzen hat; wenn man aber etwas im Herzen hat und etwas anderes sagt, dann redet man, aber man bekennt nicht. Da man nun an Christus mit dem Herzen glaubt, was gewiß niemand wider seinen Willen tut, derjenige aber, welcher gezogen wird, gleichsam wider Willen gezwungen zu werden scheint, wie lösen wir dann die Frage: „Niemand kommt zu mir, außer der Vater, der mich gesandt hat, zieht ihn“?

1: Röm. 10, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger