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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
23. Vortrag.

3.

Alle Menschen sind nämlich Lampen, weil sie angezündet und ausgelöscht werden können. Und wenn die Lampen klug sind, leuchten und glühen sie im Geiste; denn auch wenn sie brannten und ausgelöscht sind, riechen sie gar noch. Die Knechte Gottes blieben nämlich gute Lampen durch das Öl seiner Barmherzigkeit, nicht aus eigenen Kräften. Ist ja doch die frei verliehene Gnade Gottes das Öl der Lampen. „Denn mehr als alle habe ich gearbeitet“, sagt eine gewisse Lampe, und damit es nicht schiene, als brenne sie aus eigenen [S. 391] Kräften, fügte sie bei: „Aber nicht ich, sondern die Gnade Gottes in mir“1. Jede Prophetie also vor der Ankunft des Herrn ist eine Lampe, von welcher der Apostel Petrus spricht: „Wir haben ein festeres prophetisches Wort und ihr tut wohl, darauf zu achten wie auf eine an einem dunklen Orte brennende Lampe, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen“2. Lampen also sind die Propheten und jede Prophetie ist eine große Lampe. Was sind die Apostel? Nicht auch Lampen? Gewiß, sie sind Lampen. Nur jener nämlich ist keine Lampe, denn er wird weder angezündet noch ausgelöscht, weil „der Vater, wie er das Leben in sich selbst hat, so auch dem Sohne gegeben hat, das Leben in sich selbst zu haben“. Lampen sind also auch die Apostel; und sie danken dafür, daß sie durch das Licht der Wahrheit angezündet sind und im Geiste der Liebe glühen, und daß ihnen das Öl der Gnade zur Verfügung steht. Wenn sie keine Lampen wären, würde der Herr nicht zu ihnen sagen: „Ihr seid das Licht der Welt“3. Denn nachdem er gesagt hatte: „Ihr seid das Licht der Welt“, zeigt er, sie sollten sich nicht für ein solches Licht halten, wie jenes, von dem es heißt: „Er war das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt“. Das aber ward damals vom Herrn gesagt, als er von Johannes unterschieden wurde. Von Johannes dem Täufer nämlich war gesagt worden: „Er war nicht das Licht, sondern sollte Zeugnis geben vom Lichte“4. Und damit du nicht sagest: Wie sollte der kein Licht gewesen sein, von welchem Christus sagt: „Er war eine Lampe“. Im Vergleich zum anderen Lichte war er allerdings kein Licht; „es war nämlich das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt“. Also da er zu den Jüngern sagte: „Ihr seid das Licht der Welt“, hat er, damit sie sich nicht etwas zuschrieben, was nur von Christus gilt, und so die Lampen durch den Wind des Stolzes ausgeblasen würden, da hat er nach den [S. 392] Worten: „Ihr seid das Licht der Welt“, sogleich beigefügt: „Eine Stadt, die auf dem Berge steht, kann nicht verborgen bleiben, und man zündet kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit es allen leuchte, die im Hause sind“. Aber wie, wenn er die Apostel nicht eine Lampe, sondern nur Anzünder der Lampe nannte, die sie auf den Leuchter stellen sollten? Vernimm, daß er sie wirklich eine Lampe nannte: „So, sagt er, leuchte euer Licht vor den Menschen, daß sie, eure guten Werke sehend, preisen“, nicht euch, sondern „euren Vater, der im Himmel ist“5.

1: 1 Kor. 15, 10.
2: 2 Petr. 1, 19.
3: Matth. 5, 14.
4: Joh. 1, 9. 8.
5: Matth. 5, 14―16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger