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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
23. Vortrag.

2.

Die heutige Lesung hat uns von dem Zeugnisse des Herrn gesprochen, daß er kein Zeugnis von einem Menschen nötig habe, sondern ein größeres habe, als die Menschen sind; und er gab auch an, worin dieses Zeugnis bestehe: „Die Werke, sagte er, die ich tue, geben Zeugnis von mir“. Dann fügte er bei: „Und Zeugnis gibt von mir, der mich gesandt hat, der Vater“. Auch die Werke selbst, die er tut, erklärt er vom Vater erhalten zu haben. Zeugnis also geben die Werke, Zeugnis gibt der Vater. Hat denn Johannes kein Zeugnis gegeben? Gewiß, er hat Zeugnis gegeben, aber als eine Lampe nicht zur Befriedigung der Freunde, sondern zur Beschämung der Feinde; denn schon früher war von der Person des Vaters vorausgesagt worden: „Ich habe eine [S. 390] Leuchte bereitet meinem Gesalbten, seine Feinde werde ich mit Schande bedecken, über ihm aber wird meine Heiligung erblühen“1. Angenommen, du habest, gleichsam von der Nacht umgeben, staunend die Lampe betrachtet und dich gefreut am Licht der Lampe; aber die Lampe sagt dir, es sei doch die Sonne, über die du dich freuen sollst, und obschon sie in der Nacht scheint, heißt sie dich gleichwohl auf den Tag warten. Nicht also weil er das Zeugnis jenes Menschen nicht nötig hatte ― denn wozu würde er gesandt werden, wenn er nicht nötig war? ― sondern damit der Mensch nicht bei der Lampe stehen bleibe und meine, das Licht der Lampe sei für ihn genügend, deshalb sagt der Herr, auch jene Lampe sei nicht überflüssig gewesen, und doch sagt er nicht, du solltest bei der Lampe stehen bleiben. Noch ein anderes Zeugnis gibt die Schrift Gottes. Da gab freilich Gott Zeugnis seinem Sohne, und auf jene Schrift hatten die Juden ihre Hoffnung gesetzt, nämlich auf das Gesetz Gottes, das ihnen durch Moses, den Diener Gottes, vermittelt worden war. „Ihr forschet, sagt er, in der Schrift, weil ihr darin das ewige Leben zu haben meinet; sie gibt Zeugnis von mir, und ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben.“ Wie glaubt ihr denn in der Schrift das ewige Leben zu haben? Fraget sie selbst, für wen sie Zeugnis gibt, und erkennet, was das ewige Leben ist. Und weil sie wegen Moses Christus verschmähen wollten als einen Gegner der Einrichtungen und Vorschriften des Moses, so widerlegt er sie abermals gleichsam mit einer andern Lampe.

1: Ps. 131, 17. 18 [hebr. Ps. 132, 17. 18].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger