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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
19. Vortrag.

14.

Wie verhält es sich also mit der Auferstehung des Leibes? Denn die, welche hören und leben, wodurch leben sie, als eben durch Hören? Der Freund des Bräutigams nämlich steht und hört ihn und freut sich wegen der Stimme des Bräutigams, nicht wegen seiner Stimme1, d. h. durch Teilnahme, nicht durch ihre Existenz2 hören und leben sie; und alle, die hören, leben, weil alle, welche gehorchen, leben. Sag etwas, o Herr, auch über die Auferstehung des Fleisches. Denn es gab solche, die sie leugneten und sagten, daß dies die einzige Auferstehung sei, die durch den Glauben stattfindet. Diese Auferstehung hat der Herr soeben erwähnt und uns entflammt, weil einige Tote „die Stimme des Sohnes Gottes hören und leben werden“. Nicht werden von denjenigen, welche hören, die einen sterben und die andern leben, sondern alle, „welche hören, werden leben“, weil alle, welche gehorchen, leben werden. Siehe, wir sehen die Auferstehung des Geistes; verlieren wir also nicht den Glauben an die Auferstehung des Fleisches. Und wenn nicht du, o Herr Jesus, sie lehrest, wen sollen wir dann den Lügnern entgegenstellen? Denn keine der Sekten, welche sich herausnahmen, den Menschen eine Religion beizubringen, bestritt diese Auferstehung der Geister, da man ja sonst ihnen erwidern könnte: Wenn die Seele nicht aufersteht, warum redest du mit mir? Was willst du an mir tun? Wenn du aus einem Schlimmen keinen Besseren machst, warum redest du? Wenn du aber aus einem Ungerechten einen Gerechten, aus einem Gottlosen einen Frommen, aus einem Toren einen Weisen machst, so gibst du zu, daß meine Seele aufersteht, wenn ich dir willfahre, wenn ich dir glaube. Indem also alle für sich Glauben in Anspruch [S. 331] nahmen, alle, die eine Sekte mit einer, wenn auch falschen Religion stifteten, konnten sie diese Auferstehung der Geister nicht in Abrede stellen, hierin stimmten sie alle überein; aber viele leugneten die Auferstehung des Fleisches und behaupteten, die Auferstehung sei bereits im Glauben geschehen. Gegen diese wendete sich der Apostel, da er sagte: „Unter diesen sind Hymenäus und Philetus, welche von der Wahrheit abgewichen sind, indem sie sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und sie untergraben den Glauben mancher“3. Sie sagten, die Auferstehung sei schon geschehen, jedoch in der Weise, daß eine andere nicht zu erwarten sei, und sie tadelten die Menschen, welche auf eine Auferstehung des Fleisches hofften, gleichsam als würde die Auferstehung, die verheißen worden, bereits im Glauben an dem Geiste sich erfüllen. Der Apostel tadelt sie. Warum tadelt er sie? Sagten sie nicht das, was soeben der Herr sprach: „Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben“? Aber vom Leben der Geister rede ich noch, sagt dir Jesus; noch rede ich nicht vom Leben der Leiber, sondern ich rede vom Leben des Lebens der Leiber, d. h. der Seelen, in welchen das Leben der Leiber besteht; denn ich weiß, daß es Leiber gibt, die in den Gräbern liegen, ich weiß, daß auch eure Leiber in den Gräbern sein werden; noch rede ich nicht von jener Auferstehung, von dieser rede ich, in dieser stehet auf, damit ihr nicht zur Strafe auferstehet in jener. Aber damit ihr wisset, daß ich von dieser rede, was füge ich bei? „Denn wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so gab er auch dem Sohne, das Leben in sich selbst zu haben.“ Dieses Leben, welches der Vater ist, welches der Sohn ist, wozu gehört es? Zur Seele oder zum Leibe? Von jenem Leben der Weisheit hat ja nicht der Leib, sondern die vernünftige Seele Kenntnis. Denn auch nicht jede Seele hat Kenntnis von der Weisheit. Hat doch auch das Tier eine Seele, aber die Seele des Tieres hat keine Kenntnis von der Weisheit. Also die menschliche Seele kann jenes [S. 332] Leben erfassen, welches der Vater in sich selbst hat und das er dem Sohne gab, damit er das Leben in sich selbst habe; denn dies ist das wahre Licht, welches erleuchtet, nicht jede Seele, sondern jeden Menschen, der in diese Welt kommt. Da ich also zum Geiste rede, so höre er, d. h. er gehorche und lebe.

1: Joh. 3, 29.
2: Participando, non exsistendo . . ., d. h.: die hören, sind nicht das Leben selbst, sondern nehmen nur teil am Leben und durch Teilnahme daran leben sie. (Hurter.)
3: 2 Tim. 2, 17 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger