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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
19. Vortrag.

10.

Wie nun? Wie verstehen wir diese beiden Auferstehungen? Werden etwa jene, die jetzt auferstehen, dann nicht auferstehen, so daß die einen jetzt auferstehen, die andern alsdann? So verhält sich die Sache nicht. Denn in dieser Auferstehung sind wir, wenn wir anders recht geglaubt haben, bereits auferstanden, und doch erwarten wir, die wir schon auferstanden sind, eine andere Auferstehung am Ende. Aber sowohl jetzt sind wir zum ewigen Leben auferstanden, wenn wir in diesem Glauben standhaft bleiben, wie wir alsdann zum ewigen Leben auferstehen werden, da wir den Engeln gleich sein werden1 . Er selbst also unterscheide, er selbst eröffne, was wir zu sagen gewagt haben, wie die Auferstehung vor der Auferstehung stattfindet, nicht eine Auferstehung anderer und anderer, sondern derselben, und nicht eine solche, wie die des Lazarus, sondern zum ewigen Leben. Er wird es vollends erschließen. Vernehmet unsern Lehrer, wie er aufleuchtet, und unsere Sonne, wie sie in unsere Herzen strahlt, nicht jene Sonne, nach der die Augen des Fleisches sich sehnen, sondern welcher die Augen des Geistes sich zu öffnen verlangen. Ihn also lasset uns hören: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde und sie ist jetzt, da die Toten2 die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben." Warum fügt er bei: "die sie hören, werden leben"? Könnten sie denn hören, wenn sie nicht lebten? Es mochte also genügen: "Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden". Wir würden sie schon als lebendig erkennen, da sie, wenn sie nicht lebten, nicht hören könnten. Nicht deshalb, sagt er, weil sie leben, hören sie, sondern, indem sie hören, fangen sie an zu leben: "Sie werden hören, und die hören, werden leben". Was heißt also: "sie werden hören", als: sie werden gehorchen? Denn soweit es auf das Gehör des Ohres ankommt, so werden nicht alle, die hören, leben; denn viele hören und glauben nicht; indem sie hören und nicht glauben, gehorchen sie nicht; indem sie nicht gehorchen, leben sie nicht. Also ist hier: "die hören werden", nichts anderes als: die, welche gehorchen. Die also gehorchen, werden leben; sie seien versichert, sie seien ruhig, sie werden leben. Gepredigt wird Christus, das Wort Gottes, der Sohn Gottes, durch den alles geworden, der einer gewissen Heilsordnung wegen in dem angenommenen Fleische aus der Jungfrau geboren wurde, ein Kind war im Fleische, ein Jüngling im Fleische, litt im Fleische, starb im Fleische, auferstand im Fleische, auffuhr im Fleische, dem Fleische Auferstehung zusagte, dem Geiste Auferstehung versprach, dem Geiste vor dem Fleische, dem Fleische nach dem Geiste. Wer hört und gehorcht, wird leben; wer hört und nicht gehorcht, d.h. hört und verachtet, hört und nicht glaubt, wird nicht leben. Warum wird er nicht leben? Weil er nicht hört. Was heißt das: er hört nicht? Er gehorcht nicht. Also "die hören, werden leben".

1: Lk 20,36
2: sehet hier die Auferstehung ausgesprochen

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger